Jan van Aken, Co-Vorsitzender der Linkspartei, hat überraschend angekündigt, beim Bundesparteitag im Juni nicht erneut für den Parteichef-Posten zu kandidieren. Der 64-Jährige nannte gesundheitliche Gründe für seinen Rückzug. In einer Pressemitteilung betonte er, es gebe keinen Grund zu großer Sorge, da es sich nicht um eine lebensbedrohliche Krankheit handele, er müsse sich aber verstärkt um seine Gesundheit kümmern. Dieser Schritt falle ihm schwer, da er es anders geplant hatte und seine Wiederwahl als sicher galt. Trotz des Rücktritts vom Parteivorsitz will van Aken sein Bundestagsmandat bis zum Ende der Legislaturperiode ausüben und der Partei weiterhin zur Verfügung stehen. Die Meldung erfolgte, nachdem er den Parteivorstand informiert hatte.
Van Aken hatte den Parteivorsitz erst vor anderthalb Jahren, im Oktober 2024, gemeinsam mit Ines Schwerdtner übernommen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Linkspartei in einer tiefen Krise, war gespalten und lag in Umfragen bei unter drei Prozent, belastet durch interne Streitigkeiten und den Abgang Sahra Wagenknechts. Van Akens Rückkehr auf die politische Bühne galt als überraschend. In seiner Amtszeit gelang der Linken ein beachtliches Comeback: Bei der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 erreichte die Partei ein überraschendes Ergebnis von 8,8 Prozent. Dies war auch das Ergebnis eines engagierten Wahlkampfs, den van Aken maßgeblich mitgestaltete und bei dem er eines der prominentesten Gesichter war.
Unter van Akens Führung konnte die Linkspartei zudem einen enormen Mitgliederzuwachs verzeichnen. Nach Wagenknechts Austritt und der BSW-Gründung erlebte die Partei 2025 eine Welle von Neueintritten. Die Mitgliederzahl hat sich auf über 120.000 mehr als verdoppelt. Van Akens prägnanter “Anti-Milliardärs-Spruch” wurde zum Markenzeichen seiner öffentlichen Auftritte. Seine politische Karriere führte ihn von 2009 bis 2017 als Abgeordneten in den Bundestag, wo er stellvertretender Fraktionsvorsitzender und außenpolitischer Sprecher war. Er trat 2017 nicht erneut an, um eine generelle Begrenzung der Mandatszeit zu fordern. Später gestand er in einem Interview, 2016 geheime TTIPP-Dokumente geleakt zu haben – eine verjährte Tat.
Ines Schwerdtner, seine Co-Vorsitzende, äußerte sich dankbar über die Zusammenarbeit und betonte van Akens entscheidende Rolle für das “Comeback der Linken”. Sie beschrieb die vergangenen anderthalb Jahre als “Fiebertraum”, der sie zusammengeschweißt habe. Schwerdtner bestätigte, dass sie beim bevorstehenden Parteitag im Juni erneut für eine Wiederwahl kandidieren wird. Die Entscheidung über van Akens Nachfolge wird von den Delegierten des Bundesparteitags getroffen. Mit seinem Rückzug endet eine prägende Ära für die Linkspartei, die unter seiner Führung einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt hat und nun vor der Herausforderung steht, diesen Weg ohne ihren impulsgebenden Co-Vorsitzenden fortzusetzen.
