Der gestrandete Buckelwal vor der Ostseeinsel Poel hält die Öffentlichkeit in Atem. Seit über zwei Wochen liegt der etwa zwölf Meter lange Meeressäuger in bauchtiefem Wasser fest, und die Frage seiner Rettbarkeit spaltet die Experten. In einer Pressekonferenz im Hafen von Kirchdorf äußerten sich die Retter optimistisch. Tierärztin Janine Bahr von Gemmert, erfahren im Umgang mit Meerestieren, erklärte, der Wal habe eine „reelle Chance“, aus dieser misslichen Lage befreit zu werden. Das Ziel sei, ihn ohne zusätzlichen Stress zu bergen. Diese Stellungnahme weckt neue Hoffnung nach Wochen der Ungewissheit.
Die Geschichte des Buckelwals in der Ostsee begann Anfang März, mit wiederholten Strandungen – insgesamt bereits viermal. Eine Selbstbefreiung wird von Fachleuten als unwahrscheinlich eingestuft. Nachdem Anfang April eine Kommission die Rettungsversuche einstellen wollte, da ein Transport in die Nordsee für das geschwächte Tier als untragbar galt, gab Umweltminister Till Backhaus überraschend grünes Licht für einen erneuten Versuch. Der Plan: Zunächst soll der Meeresboden unter dem Wal weggespült werden. Anschließend soll der zwölf Tonnen schwere Koloss auf einer Plane zwischen zwei Pontons platziert und von einem Schlepper in Richtung offenes Meer gezogen werden.
Die Rettungsaktion stößt auf geteilte Meinungen. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace beteiligen sich nicht, da sie den Wal für krank und stark geschwächt halten, was jede Berührung als Risiko für weitere Verletzungen sieht. Auch Walexperte Fabian Ritter äußerte Bedenken. Die Initiatoren der Rettung weisen die Kritik jedoch zurück und betonen, dass das Tierwohl höchste Priorität habe. Tierärztin Bahr von Gemmert berichtet von Kontakt mit dem Tier und einer Besserung seines Zustandes nach Behandlungen mit Tüchern und Salzlösung. Ein positives Zeichen war die überraschend heftige Bewegung des Wals am Freitagvormittag, inklusive Schwanzschlägen und Drehungen, was auf fehlende größere Verletzungen und Lebenswillen schließen lässt.
Janine Bahr von Gemmert lehnt es ab, den Wal an seinem jetzigen, lauten Standort sterben zu lassen; ein friedlicher Tod sei dort nicht möglich. Auch wenn der Erfolg der Rettung ungewiss ist und der Wal möglicherweise im offenen Meer stirbt, wäre er zumindest seinem „Gefängnis“ entkommen. Der Fall des Buckelwals beleuchtet zudem ein globales Problem: Laut WWF sterben jährlich 300.000 Wale durch Fischereinetze. Umweltorganisationen fordern daher konsequentere Schutzmaßnahmen, darunter ein Verbot von Schleppnetzen in Schutzzonen und Tempolimits für Schiffe, um Unterwasserlärm zu reduzieren und Kollisionen zu vermeiden. Der gestrandete Wal weist ebenfalls Verletzungen auf, die von einer Schiffsschraube stammen könnten.
