Sachsen Anhalt steht vor einer wichtigen Landtagswahl. Der ostdeutsche Bundesstaat könnte dabei für die deutsche Politik eine besondere Bedeutung bekommen. Die AfD liegt in den Umfragen deutlich vorn. Ein Wahlsieg der Partei könnte die bisherige politische Ordnung des Landes stark verändern.
Sachsen Anhalt ist eines von 16 deutschen Bundesländern. Rund 2,1 Millionen Menschen leben dort. Das Land ist eher dünn besiedelt. Nur Magdeburg und Halle haben mehr als 200.000 Einwohner.
Trotz seiner Größe hat Sachsen Anhalt eine lange Geschichte. Die Stadt Dessau ist eng mit dem Bauhaus verbunden. Viele bekannte Architekten lebten und arbeiteten dort. Auch die Städte Eisleben und Wittenberg sind wichtige Orte der deutschen Geschichte.
Wittenberg ist besonders mit Martin Luther verbunden. Dort veröffentlichte der Reformator seine berühmten 95 Thesen. Sie wurden zum Ausgangspunkt der Reformation in Deutschland und Europa.
Auch wirtschaftlich hat das Land wichtige Regionen. Im Osten liegt das Chemiedreieck um Leuna und Bitterfeld. Dort hängen noch immer rund 10.000 Arbeitsplätze von der Industrie ab.
Im Westen liegt der Harz. Die Elbe durchquert das Land und verbindet wichtige Regionen. Gleichzeitig steht Sachsen Anhalt vor großen wirtschaftlichen Veränderungen.
Besonders im Süden ist der Strukturwandel deutlich zu spüren. Der Abbau von Braunkohle wird beendet. Viele Regionen müssen daher neue Arbeitsplätze und neue Wirtschaftszweige entwickeln. Die Arbeitslosigkeit liegt noch immer etwas über dem deutschen Durchschnitt.
Diese Probleme prägen auch die politische Stimmung. Viele Menschen in Ostdeutschland fühlen sich wirtschaftlich und politisch weniger beachtet. Die AfD kann diese Unzufriedenheit nutzen. Sie spricht vor allem Wähler an, die mit der bisherigen Politik unzufrieden sind.
Bei der kommenden Wahl könnte die Partei erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik stärkste Kraft in einem Bundesland werden. Ihr Spitzenkandidat ist Ulrich Siegmund.
Die AfD kommt in den jüngsten Umfragen auf mehr als 40 Prozent. Damit liegt sie weit vor der CDU. Die konservative Partei erreicht derzeit etwa 23 bis 26 Prozent.
Die CDU regiert Sachsen Anhalt seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 mit großer Bedeutung. Diese lange politische Dominanz könnte nun enden.
Besonders auffällig ist, dass die AfD trotz ihrer Einstufung durch den Landesverfassungsschutz weiter hohe Umfragewerte erreicht. Die Behörde bewertet die Partei in Sachsen Anhalt als gesichert rechtsextremistische Organisation.
Diese Einstufung hat die Zustimmung zur AfD bisher kaum geschwächt. Die Partei bleibt für viele Wähler eine wichtige politische Alternative.
Hinter der CDU liegt auch die Linke. Sie kommt in den Umfragen auf rund 13 Prozent. Die SPD erreicht nur etwa 6 bis 7 Prozent. Für die Grünen und die FDP ist der Wiedereinzug in den Landtag noch nicht sicher.
Die politische Lage erinnert einige frühere Landespolitiker an dunkle Zeiten der deutschen Geschichte. Reiner Haseloff von der CDU war 15 Jahre Ministerpräsident. Er gab das Amt im Januar 2026 ab.
Haseloff sagte in einem Interview, er habe sich im Landtag manchmal an die letzten Jahre der Weimarer Republik erinnert gefühlt. Er verwies dabei auch auf die politische Stimmung im Parlament.
Die Weimarer Republik war Deutschlands erste Demokratie. Sie endete 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Haseloff zog damit einen historischen Vergleich, um die politische Spannung zu beschreiben.
Sein Nachfolger Sven Schulze steht nun vor einer schwierigen Aufgabe. Der CDU-Politiker muss die AfD in der Wahl zurückdrängen. Gelingt das nicht, könnte die lange Vorherrschaft der CDU in Sachsen Anhalt zu Ende gehen.
Zuletzt regierte die CDU gemeinsam mit SPD und FDP. Nach der Wahl könnten neue Mehrheiten nötig werden. Die Bildung einer Regierung dürfte daher schwierig werden.
Die Wahl in Sachsen Anhalt wird deshalb nicht nur im Land selbst beobachtet. Sie könnte auch zeigen, wie stark die AfD im Osten Deutschlands geworden ist. Ein sehr gutes Ergebnis der Partei könnte die Debatte über ihre politische Rolle in ganz Deutschland weiter verschärfen.
