Deutschland wird erstmals an einer französischen Übung zur nuklearen Abschreckung teilnehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte den Schritt nach Gesprächen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an. Die Übung soll noch in diesem Jahr stattfinden.
Merz sagte am 17. Juli bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Macron, deutsche konventionelle Streitkräfte würden an einer französischen Atomübung teilnehmen. Damit geht die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Paris bei Fragen der Sicherheit einen neuen Schritt weiter.
Die geplante Übung ist Teil der neuen französischen Strategie zur Abschreckung. Sie soll zeigen, wie europäische Staaten ihre Verteidigung enger verbinden können. Deutschland wird dabei keine eigenen Atomwaffen einsetzen. Die deutschen Kräfte sollen an konventionellen Aufgaben teilnehmen.
Die Übung steht nach bisherigen Berichten im Zusammenhang mit der französischen Übungsreihe Poker. Sie soll im September stattfinden. Frankreich nutzt diese Übungen, um den Einsatz seiner nuklearfähigen Streitkräfte unter verschiedenen Bedingungen zu trainieren.
Bei der Übung kommen französische Rafale-Kampfjets zum Einsatz. Viele dieser Flugzeuge können nukleare Marschflugkörper tragen. Die Waffen werden bei der Übung jedoch nicht scharf eingesetzt.
Zu den trainierten Abläufen gehören auch Luftbetankungen. Dafür nutzt Frankreich unter anderem A330 MRTT Tankflugzeuge. Die beteiligten Flugzeuge üben zudem Flüge in stark geschützten Gebieten und Angriffsabläufe.
Die französischen Streitkräfte führen jedes Jahr zahlreiche Übungen durch. Ein Teil davon gehört zur Reihe Poker. Die Übungen sollen die Einsatzbereitschaft der französischen nuklearen Streitkräfte sicherstellen.
Der Schritt zwischen Deutschland und Frankreich kommt nicht völlig überraschend. Beide Länder haben bereits im März eine gemeinsame Gruppe für nukleare Fragen gegründet. Sie soll strategische Konzepte und Übungen koordinieren.
Am 16. Juli gab es bereits eine erste gemeinsame militärische Aktivität. Deutsche und französische Streitkräfte führten eine konventionelle Luftübung durch. Sie stand im Zusammenhang mit dem französischen Konzept der erweiterten Abschreckung.
Bei dieser Aktivität wurden keine Atomwaffen oder nuklearen Streitkräfte eingesetzt. Sie diente vor allem der Zusammenarbeit der beiden Luftstreitkräfte. Damit wurde ein erster praktischer Schritt der neuen Partnerschaft umgesetzt.
Merz betonte, dass die Zusammenarbeit mit Frankreich die deutsche Rolle in der NATO nicht ersetzen soll. Deutschland bleibe an den bestehenden Vereinbarungen zur nuklearen Abschreckung beteiligt. Dazu gehört auch die nukleare Teilhabe der NATO.
Deutschland stellt im Rahmen dieser Vereinbarungen konventionelle Fähigkeiten bereit. Die USA stellen dabei die nukleare Abschreckung des Bündnisses sicher. Berlin will an dieser Zusammenarbeit weiter festhalten.
Macron bezeichnete Deutschland als wichtigen Partner für Europas Sicherheit. Er sagte, Deutschland spiele eine führende Rolle bei der Entwicklung einer stärkeren europäischen Abschreckung.
Die engere Zusammenarbeit kommt vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über die Sicherheit Europas. Russland gilt für Deutschland inzwischen als größte militärische Bedrohung in Europa. Berlin will deshalb seine Streitkräfte deutlich stärken.
Im April verabschiedete Deutschland erstmals eine neue Verteidigungsstrategie. Darin wird das Ziel genannt, die stärkste konventionelle Armee Europas aufzubauen. Deutschland will zudem ein noch stärkerer militärischer Partner der USA werden.
Die deutsche Regierung sieht dabei die NATO weiterhin als wichtigsten Rahmen für die gemeinsame Verteidigung. Gleichzeitig soll Europa mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen.
Nach Schätzungen für Anfang 2026 lagern in mehreren NATO-Staaten zusammen rund 100 bis 120 amerikanische B61-12 Atomwaffen. Diese Waffen sind Teil der nuklearen Teilhabe des Bündnisses. Deutschland gehört zu den Staaten, die an diesem System beteiligt sind.
Die Zusammenarbeit mit Frankreich erhält deshalb eine besondere Bedeutung. Frankreich besitzt eigene Atomwaffen und verfolgt eine unabhängige nukleare Strategie. Paris will seine Fähigkeiten zunehmend in eine breitere europäische Sicherheitsdebatte einbringen.
Die geplante Übung findet zudem in einer Zeit statt, in der die USA ihre militärische Präsenz in Europa überprüfen. Washington hat eine neue Überprüfung der Streitkräfte für sechs Monate angekündigt. Dabei wird von europäischen Staaten mehr Verantwortung für die eigene Verteidigung erwartet.
Frankreich baut gleichzeitig seine Gespräche mit anderen europäischen Ländern aus. Paris hat bereits ähnliche Gruppen mit Schweden und Polen eingerichtet. Damit entsteht ein breiterer Austausch über Europas Rolle bei der Abschreckung.
Für Deutschland ist die Teilnahme an der französischen Übung ein neuer Schritt. Berlin bleibt Teil der NATO-Nuklearstrategie, erweitert aber zugleich seine Zusammenarbeit mit Frankreich. Die Übung könnte damit zu einem wichtigen Test für die künftige europäische Sicherheitsordnung werden.
