Drei Landtagswahlen im September werden für die AfD und Bundeskanzler Friedrich Merz zu einem wichtigen Test. In Sachsen Anhalt könnte die AfD erstmals eine eigene Mehrheit erreichen. Auch Berlin und Mecklenburg Vorpommern stehen vor schwierigen Wahlen.
Die erste Wahl findet am 6. September in Sachsen Anhalt statt. Zwei Wochen später folgen Berlin und Mecklenburg Vorpommern. Alle drei Wahlen finden in Ostdeutschland statt. Die Ergebnisse könnten die politische Lage in Deutschland deutlich verändern.
Für Merz kommen die Wahlen zu einer schwierigen Zeit. Seine CDU verliert in Umfragen an Zustimmung. Auch die SPD steht unter Druck. Beide Parteien könnten bei den Landtagswahlen deutlich schlechter abschneiden als früher.
Die wirtschaftliche Lage belastet die Bundesregierung zusätzlich. Deutschland kämpft weiter mit einer schwachen Wirtschaft. Gleichzeitig sind Energie und Lebensmittel teurer geworden. Viele Unternehmen bauen Stellen ab.
Auch Merz selbst steht unter Druck. Seine Zustimmung in der Bevölkerung ist zuletzt stark gesunken. Ein Streit über Veränderungen im Kabinett im Juli hat die Kritik an seiner Führung weiter verstärkt.
Die CDU und ihre bayerische Schwesterpartei CSU kommen in bundesweiten Umfragen derzeit auf etwa 22 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 hatten beide Parteien zusammen noch 28,5 Prozent erreicht.
Die SPD steht noch schlechter da. In aktuellen Umfragen liegt sie bei etwa 12 Prozent. Damit bleibt sie deutlich unter ihrem bereits schwachen Ergebnis der Bundestagswahl 2025.
Die AfD profitiert von der Schwäche der großen Parteien. Sie liegt bundesweit bei fast 30 Prozent. Auch bei den drei Landtagswahlen werden starke Ergebnisse erwartet.
Besonders wichtig ist Sachsen Anhalt. Dort lag die AfD Ende August bei rund 40 Prozent. Die CDU kam auf etwa 23 Prozent. Damit hatte die AfD einen Vorsprung von 17 Punkten.
Fast ein Drittel der Wähler war zu diesem Zeitpunkt noch unentschlossen. Das Ergebnis bleibt deshalb offen. Entscheidend wird auch sein, welche kleinen Parteien in den Landtag einziehen.
In Deutschland gilt eine Fünf Prozent Hürde. Parteien unter dieser Grenze erhalten normalerweise keine Sitze. Stimmen für solche Parteien können deshalb die Verteilung der Sitze stark beeinflussen.
Die AfD hat erklärt, dass sie nur als stärkste Kraft mit einer eigenen Mehrheit regieren will. Eine Koalition mit anderen Parteien lehnt sie ab. Eine eigene Mehrheit ist aber nicht sicher.
Für die CDU wäre selbst ein Sieg über die AfD schwierig. Die Partei schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. Auch eine Kooperation mit der Linken ist offiziell nicht erlaubt.
In anderen ostdeutschen Ländern haben CDU geführte Regierungen zuletzt auf Unterstützung der Linken gesetzt. Diese Modelle zeigen, dass neue Formen der Zusammenarbeit möglich sind. Sie bleiben innerhalb der CDU aber umstritten.
Für die SPD steht vor allem die Wahl in Mecklenburg Vorpommern auf dem Spiel. Die Partei führt dort seit 1998 die Landesregierung. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ist zugleich eine der bekanntesten Politikerinnen des Landes.
Die AfD liegt in Umfragen bei rund 36 Prozent. Die SPD kommt auf etwa 29 Prozent. Schwesig ist jedoch deutlich beliebter als ihr AfD-Gegner. In einer Umfrage lag sie bei 49 Prozent, während ihr Konkurrent auf 29 Prozent kam.
Schwesig kritisiert die Bundesregierung wegen ihrer Wirtschaftspolitik. Sie fordert mehr Schutz vor steigenden Preisen. Auch eine Erhöhung des Rentenalters lehnt sie ab.
Die SPD regiert derzeit mit der Linken. Beide Parteien dürften jedoch keine eigene Mehrheit erreichen. Auch hier wird das Ergebnis kleiner Parteien entscheidend sein.
In Berlin ist die Lage noch offener. CDU, AfD, Linke und Grüne liegen in Umfragen eng zusammen. Die Parteien bewegen sich zwischen etwa 15 und 20 Prozent. Die SPD liegt bei rund 12 bis 15 Prozent.
Im Mittelpunkt stehen dort vor allem die Wohnkosten. Auch Gewalt und die Probleme mit Müll und Sauberkeit beschäftigen viele Wähler.
Der amtierende CDU Bürgermeister tritt nicht erneut an. Nach einem Stromausfall im Dezember geriet er wegen seines Umgangs mit der Krise stark unter Druck. Später wurde ihm vorgeworfen, die Öffentlichkeit falsch informiert zu haben.
Eine Regierung unter Führung der Linken gilt derzeit als möglich. Sie könnte mit Grünen und SPD zusammenarbeiten. Ein schwaches SPD Ergebnis könnte diese Mehrheit jedoch verhindern.
Für Merz dürften die Wahlen vor allem Folgen für seine Reformpläne haben. Die Bundesregierung will unter anderem die Rente, das Gesundheitssystem und das Steuerrecht reformieren. Auch ein neuer Haushalt muss beschlossen werden.
Nach den Wahlen könnte der Druck auf Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil wachsen. Beide müssen ihre Parteien trotz wachsender Unterschiede zusammenhalten.
Auch die sogenannte Brandmauer gegen die AfD dürfte erneut diskutiert werden. Einige CDU Politiker sehen die bisherige Strategie zunehmend kritisch. Sie fürchten, dass die AfD dadurch weiter wachsen kann.
Ein AfD Sieg in Sachsen Anhalt würde diese Debatte deutlich verstärken. Eine eigene Landesregierung könnte zudem in Bereichen wie Bildung, Polizei und Kultur neue Schwerpunkte setzen.
Die Länder haben in Deutschland jedoch nur begrenzte politische Macht. Viele wichtige Entscheidungen werden auf Bundesebene getroffen. Eine AfD Landesregierung könnte deshalb die Bundespolitik nur teilweise beeinflussen.
Trotzdem wäre ein AfD geführtes Land politisch bedeutend. Es könnte neue Streitfragen auslösen und den Druck auf andere Parteien erhöhen. Gerichte und die Bundesregierung könnten bei einzelnen Vorhaben eingreifen.
Die Septemberwahlen sind daher mehr als ein regionaler Test. Sie zeigen, wie stark die AfD geworden ist und wie viel Unterstützung CDU und SPD noch haben. Für Merz könnten die Ergebnisse den politischen Spielraum bis zur nächsten großen Wahl deutlich verkleinern.
