Bundesaußenminister Johann Wadephul hat sein Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow mit Sicherheitsfragen und der Lage bei den Getreideexporten begründet. Die beiden Politiker trafen sich am Samstag in New York am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen.
Es war das erste direkte Gespräch dieser Art seit der Zeit vor dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland sind seit Beginn des Krieges stark belastet. Direkte politische Gespräche zwischen beiden Seiten waren in den vergangenen Jahren selten.
Wadephul sagte am Sonntag, dass es zwei wichtige Gründe für das Treffen gegeben habe. Der erste Grund sei die Sicherheit Deutschlands gewesen. Er verwies auf Berichte über den angeblichen Einsatz bewaffneter Drohnen am Flughafen Leipzig. Nach seinen Worten habe dies eine Grenze überschritten.
Der Außenminister erklärte, Russland müsse verstehen, dass Deutschland bereit sei, sich zu schützen und zu verteidigen. Deshalb sei es wichtig gewesen, diese Botschaft direkt an die russische Seite zu übermitteln.
Wadephul betonte in einem Interview, dass Deutschland auf mögliche Bedrohungen vorbereitet sei. Er sagte, Russland müsse wissen, dass Deutschland Widerstand leisten könne und seine Sicherheit ernst nehme.
Der zweite Grund für das Treffen betraf die Lage bei den Getreide- und Energieexporten über das Schwarze Meer. Diese Lieferungen wurden in den vergangenen Jahren durch Angriffe auf Schiffe und Hafenanlagen stark beeinträchtigt. Viele Länder sind auf diese Exporte angewiesen.
Wadephul sagte, mehrere Vertreter aus Ländern des Globalen Südens hätten ihn gebeten, mit Russland über die Situation zu sprechen. Viele dieser Staaten seien von Importen aus der Region abhängig. Unterbrechungen der Lieferketten könnten dort zu schweren Versorgungsproblemen führen.
Der Minister warnte vor den Folgen einer anhaltenden Krise. Nach seinen Worten bestehe in einigen Regionen die Gefahr von Hunger und Nahrungsmittelknappheit. Deshalb unterstütze er Bemühungen für eine Waffenruhe im Schwarzen Meer.
Eine Stabilisierung der Lage könne dazu beitragen, wichtige Handelswege wieder sicherer zu machen. Dadurch könnten mehr Lebensmittel und Energieprodukte die internationalen Märkte erreichen.
Wadephul erklärte auch, dass die lange Phase des diplomatischen Schweigens zwischen Deutschland und Russland zunächst notwendig gewesen sei. Die politischen Spannungen nach dem Beginn des Krieges hätten direkte Gespräche erschwert.
Gleichzeitig sagte er, dass nun der Zeitpunkt gekommen sei, wieder miteinander zu reden. Aus seiner Sicht könne Diplomatie auch in schwierigen Situationen wichtig sein. Gespräche bedeuteten nicht automatisch Einigkeit, könnten aber helfen, Positionen klar zu machen.
Lawrow bewertete das Treffen deutlich zurückhaltender. Bei einer Pressekonferenz sagte er, er habe von seinem deutschen Kollegen nichts Neues gehört. Die Position Deutschlands sei bereits öffentlich bekannt gewesen.
Nach Angaben Lawrows habe er Wadephul gesagt, dass ein Anruf ausgereicht hätte, um dieselben Aussagen zu übermitteln. Damit machte der russische Außenminister deutlich, dass er den Inhalt des Treffens nicht als überraschend ansah.
Wadephul reagierte auf diese Aussage mit Kritik. Er erklärte, eine solche Antwort komme von jemandem, der keine überzeugenden Argumente habe und sich in einer schwachen Lage befinde.
Der deutsche Außenminister erneuerte zudem seine Kritik am Krieg in der Ukraine. Russland könne der Welt nicht erklären, warum der Krieg fortgesetzt werde. Er bezeichnete den Konflikt als sinnlos und verwies auf die hohen menschlichen Verluste.
Das Treffen in New York zeigt, dass trotz der tiefen Spannungen weiterhin Gesprächskanäle bestehen. Sicherheit, internationale Versorgung und die Lage im Schwarzen Meer bleiben zentrale Themen der internationalen Diplomatie. Ob der Austausch konkrete Fortschritte bringt, bleibt jedoch offen.
Beobachter werden nun verfolgen, ob weitere Gespräche zwischen beiden Ländern stattfinden. Die politische Distanz zwischen Berlin und Moskau bleibt groß. Dennoch zeigt das Treffen, dass beide Seiten in bestimmten Fragen weiterhin direkten Kontakt halten.
