Der Stadtrat von Heidenau in Sachsen hat neue Stolpersteine im öffentlichen Straßenraum gestoppt. Der Beschluss fiel am Donnerstag. Für den Antrag stimmten 13 Mitglieder. Sechs stimmten dagegen. Ein Mitglied enthielt sich. Der Antrag kam aus den Reihen von CDU und AfD. Auch das Bündnis Oberelbe für mehr Demokratie war beteiligt.
Stolpersteine erinnern an Menschen, die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die kleinen Messingtafeln liegen meist im Gehweg. Sie tragen Namen und wichtige Daten der Opfer. Oft werden sie vor deren früheren Wohnungen verlegt.
In Heidenau sollen künftig keine neuen Stolpersteine im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich entstehen. Bereits verlegte Steine bleiben jedoch erhalten. Das bestätigte Bürgermeisterin Conny Oertel. Die Stadt will stattdessen andere Formen des Gedenkens prüfen. Im Gespräch ist eine zentrale Gedenkfläche auf dem Nordfriedhof.
Die Befürworter des Beschlusses stellen nicht grundsätzlich das Erinnern an die Opfer infrage. Sie kritisieren vielmehr die Form der Stolpersteine. In dem Antrag heißt es, viele Bürger, Angehörige und Initiativen empfänden diese Art des Gedenkens als nicht angemessen.
Ein Grund ist das Gehen über die Messingtafeln. Auf den Steinen stehen die Namen der Opfer. Manche Menschen sehen es als problematisch an, dass Passanten diese Namen mit Füßen betreten. Dieses Argument wird auch in anderen deutschen Städten vorgebracht.
Auch in München gibt es keine Stolpersteine auf städtischem Grund. Dort werden andere Formen des Gedenkens genutzt. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, lehnt Stolpersteine ebenfalls ab. Sie bezeichnet das Betreten der Namen als unwürdig.
Der Heidenauer Beschluss hat dennoch deutliche Kritik ausgelöst. Das Internationale Auschwitz Komitee kritisierte vor allem die gemeinsame Unterstützung des Antrags durch CDU und AfD. Auch andere Politiker und Vertreter der Erinnerungskultur äußerten sich kritisch.
Der Fall sorgt zudem wegen der politischen Zusammenarbeit für Aufmerksamkeit. Die AfD und die CDU unterstützten den Antrag gemeinsam. Auf Bundesebene lehnt CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Der Beschluss in Heidenau betrifft jedoch die kommunale Ebene.
Heidenau liegt südöstlich von Dresden. Die Stadt hat rund 16.000 Einwohner. Sie liegt in Sachsen, einem Bundesland, in dem die AfD besonders starke Wahlergebnisse erzielt hat.
Stolpersteine sind inzwischen weit über Deutschland hinaus bekannt. Der Künstler Gunter Demnig begann das Projekt 1992 in Köln. Seitdem wurden mehr als 126.000 Steine in mehr als 30 Ländern verlegt. Sie erinnern an Juden sowie an andere Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden.
Für viele Angehörige sind die Steine ein wichtiger Ort der Erinnerung. Einige Familien reisen nach Deutschland, wenn neue Stolpersteine für ihre Verwandten verlegt werden. Die Tafeln befinden sich oft an den letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsorten der Opfer.
Der Künstler Gunter Demnig kritisierte den Beschluss in Heidenau ebenfalls. Nach Angaben von DPA äußerte er sich enttäuscht über die Beteiligung der CDU. Er sagte, die Partei entferne sich damit von ihren christlichen Wurzeln. Diese Aussage ist seine persönliche Bewertung des Vorgangs.
Auch Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, reagierte öffentlich. Er schrieb, er schäme sich für die Entscheidung. Nach seinen Angaben erinnern einige Stolpersteine in Berlin an Mitglieder seiner eigenen Familie.
Die Debatte zeigt, dass es in Deutschland unterschiedliche Ansichten über die Form der Erinnerung an die NS-Verbrechen gibt. In Heidenau soll das Gedenken künftig stärker an einem zentralen Ort stattfinden. Die Stadtverwaltung betont dabei, dass die Erinnerung an die Opfer erhalten bleiben soll.
Der Beschluss beendet damit nicht das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Heidenau. Er verändert vielmehr den Ort und die Form künftiger Gedenkzeichen. Die Diskussion über Stolpersteine dürfte deshalb auch über die Stadt hinaus weitergehen.
