Der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schroeder ist in den Aufsichtsrat des russischen Handelsunternehmens Hyperglobus eingetreten. Das Unternehmen bestätigte die Ernennung am Freitag. Schroeder ist seit Jahren wegen seiner engen Verbindungen zu Russland und Präsident Wladimir Putin umstritten.
Hyperglobus betreibt mehr als 20 Supermärkte in Russland. Das Unternehmen wurde 2025 aus der deutschen Globus Holding ausgegliedert. Seitdem arbeitet Hyperglobus unabhängig. Die Märkte in Russland tragen aber weiter den Namen Globus.
Die neue Aufgabe von Schroeder kommt nur wenige Tage nach einer Entscheidung des Kremls zu einem anderen deutschen Handelskonzern. Putin hatte zuvor die russischen Vermögenswerte von Metro unter eine vorläufige Verwaltung gestellt. Der Schritt betrifft damit erneut ein deutsches Unternehmen mit Geschäften in Russland.
Hyperglobus erklärte, Schroeder solle das Unternehmen bei seiner strategischen Entwicklung unterstützen. Zudem werde er an der allgemeinen Führung und Planung beteiligt sein. Seine langjährige Erfahrung in Russland soll dabei eine wichtige Rolle spielen.
Thomas Bruch, der Eigentümer von Hyperglobus und frühere Chef von Globus, begrüßte die Ernennung. Nach seinen Angaben kennt Schroeder das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben Russlands seit vielen Jahren. Er könne deshalb die Arbeit des Aufsichtsrates unterstützen.
Schroeder selbst sprach sich erneut für wirtschaftliche Kontakte mit Russland aus. Er erklärte, dass Unternehmen wie Hyperglobus ihre Beziehungen und Investitionen in Russland fortsetzen sollten. Besonders wichtig sei dies aus seiner Sicht für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln.
Die Haltung des früheren Kanzlers steht seit Jahren im Mittelpunkt einer politischen Debatte in Deutschland. Schroeder hatte während seiner Zeit als Bundeskanzler enge Beziehungen zu Russland aufgebaut. Er war von 1998 bis 2005 Regierungschef.
Während seiner Amtszeit setzte sich Schroeder für eine stärkere Zusammenarbeit mit Russland im Energiebereich ein. Nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt übernahm er mehrere wichtige Aufgaben bei russischen Unternehmen und Projekten.
Dazu gehörte ein Spitzenposten beim russischen Ölkonzern Rosneft. Außerdem war Schroeder eng mit den Nord-Stream-Gaspipelines verbunden. Kritiker machten ihn für eine Politik mitverantwortlich, die Deutschland stärker von russischem Öl und Gas abhängig gemacht habe.
Mit dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine im Jahr 2022 nahm die Kritik an Schroeder deutlich zu. Besonders seine weitere Verbindung zu russischen Unternehmen sorgte für öffentliche Diskussionen. Auch seine persönliche Beziehung zu Putin blieb ein Thema.
Deutschland entzog Schroeder im selben Jahr sein staatlich finanziertes Büro im Bundestag. Auch Mitarbeiter standen ihm danach nicht mehr in diesem Rahmen zur Verfügung. Die Entscheidung erfolgte vor dem Hintergrund der Debatte über seine Russland-Kontakte.
Schroeder gab 2022 zudem seinen Posten bei Rosneft auf. Einen geplanten Wechsel in den Aufsichtsrat des russischen Energiekonzerns Gazprom vollzog er ebenfalls nicht.
Trotzdem blieb der Kontakt zu Russland bestehen. Anfang dieses Jahres bezeichnete Putin Schroeder als möglichen Gesprächspartner für Gespräche über neue Sicherheitsregeln in Europa. Die Europäische Union wies diesen Vorschlag kurz darauf zurück.
Im Juni bestätigte der Kreml zudem ein Treffen zwischen Putin und Schroeder. Nach Angaben aus Moskau fand das Gespräch in freundlicher Atmosphäre statt. Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt.
Die neue Rolle bei Hyperglobus bringt Schroeder nun erneut in eine Führungsfunktion bei einem russischen Unternehmen. Sie zeigt zugleich, dass seine wirtschaftlichen Kontakte nach Russland trotz der politischen Veränderungen seit 2022 weiter bestehen.
Für Hyperglobus steht dabei das Geschäft mit Lebensmitteln im Mittelpunkt. Das Unternehmen führt seine Aktivitäten in Russland unter der Globus-Marke fort. Schroeder soll nun seine Erfahrung und seine Kenntnisse über Russland in die weitere Entwicklung des Geschäfts einbringen.
Die Ernennung erfolgt zudem in einer Zeit, in der deutsche Unternehmen in Russland mit neuen politischen und rechtlichen Risiken umgehen müssen. Die Entscheidung über die Metro-Vermögenswerte zeigt, wie angespannt die Lage für ausländische Firmen weiterhin ist.
Der Schritt von Hyperglobus dürfte daher auch in Deutschland aufmerksam verfolgt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei Schroeders neue Aufgabe, seine langjährigen Russland-Kontakte und die weitere Entwicklung deutscher Geschäftsinteressen in Russland.
