Ein Vorstandsmitglied der Volksbank Köln Bonn wird die Bank verlassen. Zuvor hatte eine Untersuchung keinen Beweis für Fehlverhalten bei einem umstrittenen Kredit gefunden. Der Fall betrifft die Finanzierung eines großen Bordellbetriebs in Köln.
Die Bank teilte mit, dass Jürgen Neutgens trotz der Entlastung aus dem Vorstand ausscheiden werde. Eine von der Bank beauftragte Kanzlei hatte die Kreditgeschäfte und weitere Geschäftsbeziehungen geprüft. Dabei wurden nach Angaben der Bank keine finanziellen Unregelmäßigkeiten festgestellt.
Auch Hinweise auf ein Fehlverhalten wurden laut der Untersuchung nicht gefunden. Trotzdem erklärte die Bank, dass die nötige Grundlage für eine weitere vertrauensvolle und unabhängige Zusammenarbeit nicht mehr bestehe.
Neutgens war im Sommer von seinen Aufgaben freigestellt worden. Die Bank hatte danach die unabhängige Untersuchung in Auftrag gegeben. Sie sollte klären, ob es bei der Finanzierung des umstrittenen Geschäfts zu Problemen gekommen war.
Im Mittelpunkt steht ein Kredit über fünf Millionen Euro. Die Volksbank hatte das Darlehen im Jahr 2021 vergeben. Das Geld diente zum Kauf eines zwölfstöckigen Gebäudes in Köln. In dem Gebäude befindet sich das bekannte Bordell Pascha.
Der Kauf erfolgte durch einen chinesischen Investor. Das Bordell war während der Corona-Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Nach der Insolvenz wurde das Gebäude verkauft. Der Kredit der Volksbank war Teil der Finanzierung dieses Kaufs.
Die Untersuchung sollte auch klären, ob Neutgens persönlich von dem Geschäft profitiert haben könnte. Die Bank hatte diese Frage bereits zuvor als einen wichtigen Teil der Prüfung genannt.
Die beauftragte Kanzlei fand nach Angaben der Bank jedoch keine Beweise für finanzielle Unregelmäßigkeiten oder Fehlverhalten. Damit wurde der zentrale Vorwurf gegen Neutgens durch die interne Untersuchung nicht bestätigt.
Neutgens hatte die Vorwürfe zuvor über seinen Anwalt zurückgewiesen. Sein Anwalt bestätigte nun ebenfalls, dass sich sein Mandant und die Bank gemeinsam auf eine Trennung geeinigt haben. Die Entscheidung erfolgte trotz des Ergebnisses der Untersuchung.
Der Fall ist damit jedoch nicht beendet. Die Staatsanwaltschaft in Köln führt eine eigene Untersuchung. Dabei geht es um den Verdacht der Bestechung. Neben Neutgens sollen zwei weitere Mitarbeiter der Bank betroffen sein.
Die Ermittler hatten ihre Untersuchung bereits zuvor aufgenommen. Am Dienstag erklärten die Staatsanwälte, dass die Prüfung weiterläuft. Sie haben außerdem eine Kopie des Berichts der unabhängigen Kanzlei angefordert.
Die Staatsanwaltschaft will den Bericht selbst prüfen. Damit soll geklärt werden, ob sich daraus weitere Hinweise für das laufende Verfahren ergeben. Der Bericht der Bank ersetzt somit nicht die eigene Prüfung der Ermittler.
Der Anwalt von Neutgens erklärte, er erwarte am Ende eine Entlastung seines Mandanten. Bis zu einer endgültigen Entscheidung gilt für Neutgens die Unschuldsvermutung.
Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat sich mit dem Fall beschäftigt. Die Behörde stellte Fragen zur Finanzierung des Gebäudes. Welche weiteren Schritte daraus folgen könnten, ist derzeit offen.
Der Fall ist für die Volksbank Köln Bonn besonders sensibel. Volksbanken gehören zum genossenschaftlichen Bankensystem in Deutschland. Die Institute gehören ihren Mitgliedern und spielen eine wichtige Rolle im deutschen Finanzmarkt.
Genossenschaftsbanken achten traditionell stark auf ihre Geschäftsbeziehungen und ihren Ruf. Geschäfte mit ausländischen Kunden sind bei vielen dieser Banken weniger üblich. Auch Finanzierungen, die zu einem erheblichen Reputationsrisiko führen könnten, sind für solche Institute besonders sensibel.
Prostitution ist in Deutschland legal. Trotzdem kann die Finanzierung eines Bordellbetriebs für eine Bank besondere Fragen aufwerfen. Dazu gehören mögliche Risiken für den Ruf des Instituts und die Prüfung möglicher persönlicher Vorteile für Mitarbeiter.
Im Fall der Volksbank Köln Bonn hat die interne Untersuchung keine Beweise für ein Fehlverhalten gefunden. Trotzdem bleibt die Trennung von Neutgens bestehen. Die Bank begründet diesen Schritt mit dem fehlenden Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit.
Damit stehen nun zwei Entwicklungen nebeneinander. Die interne Prüfung hat den ehemaligen Vorstand nicht belastet. Gleichzeitig läuft eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft weiter.
Für die Bank dürfte der Fall daher noch nicht abgeschlossen sein. Die Ermittler prüfen den Vorgang unabhängig. Auch die Finanzaufsicht beobachtet die Angelegenheit.
Die kommenden Schritte der Staatsanwaltschaft könnten zeigen, ob sich aus dem Fall weitere Vorwürfe ergeben. Bis dahin bleibt offen, welche Folgen die Ermittlungen für die beteiligten Mitarbeiter und die Volksbank Köln Bonn haben werden.
