Bei der ersten Anhörung im neu aufgerollten Prozess um den Tod des argentinischen Fußballstars Diego Maradona hat dessen ehemaliger Leibarzt, Neurochirurg Leopoldo Luque, seine Unschuld beteuert. Luque ist einer von sieben Hauptangeklagten und drückte sein tiefes Bedauern über Maradonas Ableben aus. Dem gesamten medizinischen Team, das Ärzte, Psychiater, Psychologen und Pfleger umfasste, wird grobe Nachlässigkeit bei der Behandlung Maradonas vorgeworfen. Dieser hochkarätige Fall zieht große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich und beleuchtet die Umstände, die zu Maradonas Tod führten, sowie die Verantwortung seiner Betreuer. Der Prozess soll klären, ob die medizinische Versorgung ausreichend war oder ob Versäumnisse seinen Tod herbeiführten.
Diego Maradona verstarb am 25. November 2020 im Alter von 60 Jahren, nur zwei Wochen nach einer Hirnoperation. Eine Obduktion ergab als Todesursache einen Herzinfarkt und ein Lungenödem. Zum Zeitpunkt seines Todes wurde Maradona von seinem medizinischen Team in einem angemieteten Haus betreut. Alle Angeklagten weisen die Vorwürfe der groben Nachlässigkeit vehement zurück. Ihre Verteidigung argumentiert, dass Maradona, der jahrelang unter Alkohol- und Kokainabhängigkeit litt, eines natürlichen Todes starb. Diese Begründung wurde auch von Luque in seinem 30-minütigen Vortrag vor Gericht erneut bekräftigt, wobei er auf Maradonas Vorerkrankungen hinwies.
Luque untermauerte seine Verteidigung durch Verweis auf ein Gutachten, welches bei der Autopsie Maradonas eine „chronische Herzinsuffizienz“ diagnostizierte, die „mit toxischen Substanzen in Zusammenhang steht“. Dieser Punkt ist für die Verteidigung von entscheidender Bedeutung, da er den Fokus von mutmaßlicher medizinischer Fahrlässigkeit auf Maradonas langjährige gesundheitliche Probleme und seinen Lebensstil lenken soll. Die Gerichtsverhandlungen sind komplex und umfassen zahlreiche medizinische Berichte, Sachverständigengutachten und eine detaillierte Untersuchung von Maradonas Krankengeschichte. Das Urteil wird nicht nur die Angeklagten betreffen, sondern auch Präzedenzfälle für medizinische Verantwortung in prominenten Fällen schaffen.
Der aktuelle Prozess, der diese Woche begonnen hat, ist eine Neuauflage eines bereits im Mai letzten Jahres geführten Verfahrens, das nach zweieinhalb Monaten platzte. Hintergrund war ein Skandal um Richterin Julieta Makintach, die sich wegen Befangenheitsvorwürfen zurückziehen musste. Die neu aufgenommenen Verhandlungen versprechen umfassend zu sein; es sollen rund 120 Zeugen befragt werden. Der Prozess wird voraussichtlich bis Juli dauern, was eine gründliche und langwierige Prüfung aller Beweismittel und Zeugenaussagen zur Bestimmung der Schuld des medizinischen Personals von Maradona erwarten lässt. Die Öffentlichkeit wartet gespannt auf das endgültige Urteil in diesem tragischen Fall um eine der größten Fußballlegenden.