Die private Rettungsaktion für den vor der Ostseeinsel Poel gestrandeten Buckelwal hat begonnen. Sechs Helfer begaben sich ins hüfttiefe Wasser, um den Wal manuell mit Wasser zu bespritzen, wie in einem Livestream zu sehen war. Dieser erneute Versuch, das stark geschwächte Tier zu retten, stößt jedoch auf geteilte Meinungen. Während die Initiatoren und Unterstützer auf eine minimale Chance hoffen, hat die Umweltorganisation Greenpeace ihre Beteiligung abgelehnt. Greenpeace verweist auf den kritischen Gesundheitszustand des Wals und die geringen Erfolgsaussichten, die auch von Experten geteilt werden. Trotz der Kontroversen wurde der Startschuss für die aufwendige Bergung gegeben, die nun von privater Hand umgesetzt wird.
Die Führung dieser privaten Initiative übernehmen laut dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns der bekannte MediaMarkt-Gründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Sie tragen auch die finanzielle Verantwortung für die komplexen Maßnahmen. Das geplante Vorgehen sieht vor, Luftkissen behutsam unter den Wal zu bringen, nachdem zuvor Schlick unter dem Tier weggespült wurde. Ziel ist es, den Buckelwal schonend anzuheben und ihn anschließend auf einer speziellen Plane zwischen zwei Pontons zu lagern, um ihn so sicher transportieren zu können. Dieses aufwendige Konzept soll eine möglichst schonende Bergung gewährleisten und Verletzungen des Wals vermeiden.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) verteidigte die private Rettungsaktion entschieden. Er betonte, dass der Wal trotz seines schwierigen Zustands nach wie vor Lebenszeichen zeige, wie gelegentliches Bewegen der Flossen, das Heben des Kopfes aus dem Wasser und regelmäßiges Atmen sowie kommunikative Rufe. Backhaus bekräftigte seine Zusage, den Wal bis zum Ende zu begleiten, sei es in die Freiheit oder “andersrum”. Für ihn sei entscheidend, dass nun erstmals ein seriöses und vor allem minimalinvasives Konzept vorliege, das keine Verletzungen des Tieres riskiere. Solange diese Prämisse eingehalten werde, sehe er keinen Grund, die Chance nicht zu nutzen.
Greenpeace hat sich explizit von der geplanten Rettung distanziert. Eine Sprecherin der Umweltschutzorganisation erklärte, dass sie die Aktion aufgrund der ihr vorliegenden Informationen über den kranken und stark geschwächten Zustand des Wals nicht unterstützen könne. Sie verwies auf wissenschaftliche Gutachten des Deutschen Meeresmuseums und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, die die Erfolgsaussichten als sehr gering einschätzen und gleichzeitig ein hohes Verletzungsrisiko für das Tier bei einer Bergung prognostizieren. Nach anfänglicher Beteiligung an früheren Rettungsversuchen konzentriere sich Greenpeace nun darauf, den Schutz der Meere als essenziellen Lebensraum für Wale voranzutreiben. Das Deutsche Meeresmuseum, das zuvor eng in die Lagebewertung eingebunden war, teilte zudem mit, dass es weder in die Vorbereitungen der aktuellen Lebendbergung involviert wurde noch das vollständige Konzept vorliegen hat.