Der Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) hat in Erfurt mit klaren politischen Botschaften begonnen. Die Parteivorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel erklärten, dass ihre Partei bereit sei, künftig Regierungsverantwortung zu übernehmen. Beide verwiesen auf steigende Umfragewerte und die bevorstehenden Landtagswahlen.
Chrupalla sagte zum Auftakt des Parteitags, die AfD wolle politische Verantwortung übernehmen und sehe gute Chancen bei den kommenden Wahlen. Mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erklärte er, seine Partei wolle dort möglichst starke Ergebnisse erzielen. Gleichzeitig forderte er andere Parteien auf, Wahlergebnisse der AfD zu akzeptieren.
Auch zur politischen Lage in Thüringen äußerte sich Chrupalla. Er verwies darauf, dass die AfD dort bei der vergangenen Landtagswahl stärkste Kraft geworden sei. Nach seiner Auffassung sollte die Partei deshalb auch Regierungsverantwortung übernehmen können. Derzeit wird Thüringen von einer Koalition aus CDU, SPD und BSW regiert.
Co-Parteichefin Weidel bezeichnete die AfD in ihrer Rede als eine neue Volkspartei. Sie sagte, die Partei sei bereit, politische Verantwortung zu übernehmen und Deutschland zu regieren. Gleichzeitig warf sie den politischen Mitbewerbern vor, die AfD regelmäßig scharf anzugreifen. Trotz dieser Auseinandersetzungen werde die Partei ihren politischen Kurs fortsetzen.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Rede war die Entwicklung der Mitgliederzahlen. Nach Angaben Weidels zählt die AfD derzeit rund 75.000 Mitglieder. Ende des vergangenen Jahres seien es noch etwas mehr als 50.000 gewesen. Sie erklärte, dass die Partei das Ziel habe, in naher Zukunft die Marke von 100.000 Mitgliedern zu erreichen.
Während des Parteitags wird auch der Bundesvorstand turnusgemäß neu gewählt. Chrupalla und Weidel treten erneut gemeinsam für den Parteivorsitz an. Chrupalla sprach von einer erfolgreichen Zusammenarbeit und wies Berichte über mögliche parteiinterne Machtkämpfe zurück. Er betonte, die Partei sei derzeit so geschlossen wie lange nicht mehr.
Der Parteichef erklärte außerdem, die AfD verstehe sich als Kraft, die Menschen in Deutschland zusammenführen wolle. Nach seinen Worten strebe die Partei gesellschaftlichen Zusammenhalt an und wolle unterschiedliche Bevölkerungsgruppen vertreten.
Der Parteitag begann trotz angekündigter Protestaktionen planmäßig. Zahlreiche Delegierte waren bereits in der Nacht vor Beginn der Demonstrationen am Veranstaltungsort eingetroffen. Vor der Messe fanden Proteste gegen den Parteitag statt. Chrupalla kritisierte die Demonstrierenden und erklärte, auch die AfD gehöre selbstverständlich zur demokratischen Ordnung in Deutschland.
Ein geplanter Tagesordnungspunkt zur sogenannten Unvereinbarkeitsliste wurde kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Diese Liste legt fest, welchen extremistischen Organisationen Mitglieder der Partei nicht angehören dürfen. Innerhalb der AfD hatte es unterschiedliche Auffassungen über mögliche Änderungen gegeben.
Die Parteiführung kündigte an, die Regelungen innerhalb des kommenden Jahres zu überprüfen und gegebenenfalls zu überarbeiten. Damit soll eine ausführliche Debatte über das Thema zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.
Mit dem Parteitag stellt die AfD die personellen und politischen Weichen für die kommenden Monate. Neben der Wahl des neuen Bundesvorstands stehen vor allem die Vorbereitung auf die nächsten Landtagswahlen sowie die weitere strategische Ausrichtung der Partei im Mittelpunkt. Die Ergebnisse des Parteitags werden zeigen, mit welchem Kurs die AfD in die kommenden Wahlkämpfe gehen will.
