Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Düsseldorf und der umliegenden Region bleibt hoch. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht der Meldestelle für antisemitische Vorfälle in Nordrhein-Westfalen. Im Regierungsbezirk Düsseldorf wurden im vergangenen Jahr 260 Vorfälle dokumentiert.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl leicht gesunken. Im Jahr 2024 waren noch 290 Fälle erfasst worden. Trotz dieses Rückgangs bleibt die Lage angespannt. Landesweit nahm die Zahl der gemeldeten Vorfälle sogar deutlich zu. Die Gesamtzahl stieg von 940 auf 1.102 Fälle.
Die erfassten Vorfälle umfassen verschiedene Formen von Antisemitismus. Dazu gehören Angriffe, Bedrohungen, gezielte Sachbeschädigungen sowie verletzendes Verhalten. Auch Massenzuschriften werden in der Statistik berücksichtigt.
Ein großer Teil der gemeldeten Vorfälle ereignete sich bei Demonstrationen und öffentlichen Versammlungen. Landesweit wurden in diesem Bereich 248 Fälle registriert. Düsseldorf spielt dabei eine wichtige Rolle. Als Landeshauptstadt ist die Stadt häufig Schauplatz von Kundgebungen und Protesten.
Die Meldestelle weist jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Zahl höher liegen könnte. Nach eigenen Angaben findet kein aktives Monitoring bei allen Demonstrationen statt. Daher wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen.
Ein besonders auffälliger Vorfall ereignete sich im Oktober 2025. Damals fand in der Nähe der jüdischen Gemeinde an der Zietenstraße eine Veranstaltung mit einem deutsch-israelischen Autor statt. Thema der Lesung war der Krieg im Gazastreifen.
Nach den Angaben der Dokumentationsstelle wurde die Veranstaltung von vier Aktivisten gestört. Sie riefen lautstark israelfeindliche Parolen. Zudem soll eine Konfettikanone im Gemeindesaal gezündet worden sein. Zeitgleich versammelten sich rund 100 Menschen vor dem Eingang der Gemeinde.
Berichten zufolge wurden trotz eines bestehenden Verbots mehrfach Parolen gerufen. Die Dokumentationsstelle meldete außerdem, dass in einigen Redebeiträgen die Gewalt der Hamas verherrlicht und die Ereignisse des 7. Oktober relativiert worden seien. Der Vorfall sorgte für besondere Aufmerksamkeit, da er direkt im Umfeld einer jüdischen Einrichtung stattfand.
Auch außerhalb von Demonstrationen wurden mehrere antisemitische Vorfälle dokumentiert. Im Februar entdeckten Beobachter Schmierereien an einem Graffito. Das Kunstwerk trug die Botschaften „Brandmauer“ und „Nie wieder ist jetzt“. Unbekannte ergänzten dort nationalsozialistische Symbole sowie Drohungen gegen jüdische Menschen.
Ein weiterer Fall wurde im September bekannt. Eine Zeugin fand in einem öffentlichen Bücherschrank am Mannesmannufer ein beschädigtes Buch der jüdisch-amerikanischen Autorin Allegra Goodman. Auf der ersten Seite waren ein Davidstern und eine beleidigende Aufschrift angebracht worden.
Ebenfalls im September wurden in Düsseldorf Aufkleber mit einer antizionistischen Parole entdeckt. Auf den Stickern war zudem ein durchgestrichener Davidstern zu sehen. Nach Einschätzung der Meldestelle richteten sich solche Darstellungen nicht allein gegen politische Entscheidungen oder staatliche Institutionen. Sie würden vielmehr das Judentum insgesamt angreifen.
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass antisemitische Vorfälle weiterhin ein ernstes Problem darstellen. Obwohl die Fallzahl im Regierungsbezirk Düsseldorf leicht zurückging, bleibt das Niveau hoch. Gleichzeitig stieg die Zahl der Vorfälle in Nordrhein-Westfalen insgesamt deutlich an.
Die Dokumentation dieser Ereignisse soll dazu beitragen, Entwicklungen sichtbar zu machen und Betroffene zu unterstützen. Experten betonen, dass eine genaue Erfassung wichtig ist, um das Ausmaß antisemitischer Vorfälle besser zu verstehen. Die aktuellen Daten machen deutlich, dass das Thema weiterhin große Aufmerksamkeit erfordert.
Die Zahlen aus Düsseldorf spiegeln damit eine Entwicklung wider, die auch in anderen Teilen des Landes beobachtet wird. Antisemitische Vorfälle treten in verschiedenen Formen auf und betreffen sowohl öffentliche Veranstaltungen als auch den Alltag. Die neue Statistik zeigt, dass der Schutz jüdischen Lebens weiterhin eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe bleibt.
