In Deutschland droht ein neuer Streik in den großen Seehäfen. Die Tarifgespräche für bis zu 11.000 Hafenarbeiter sind erneut gescheitert. Die Gewerkschaft ver.di hat nun eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik gestartet.
Betroffen sind Beschäftigte in Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Emden, Brake und Wilhelmshaven. Die Tarifverhandlungen laufen seit Ende Juli. Ein neuer Vertrag wurde bisher nicht erreicht. Der bisherige Tarifvertrag ist am 31. Juli ausgelaufen.
In einer Umfrage unter einer repräsentativen Gruppe lehnten die Beschäftigten das jüngste Angebot der Arbeitgeber ab. Nach Angaben von ver.di wurden mehr als 5.500 Beschäftigte befragt. Fast 65 Prozent der Gruppe sprachen sich gegen das Angebot für einen Vertrag mit zwölf Monaten Laufzeit aus.
Die Gewerkschaft fordert weiter höhere Löhne. Sie will zudem eine kürzere Laufzeit des neuen Vertrags. Zu Beginn der Gespräche hatte ver.di eine Erhöhung der Stundenlöhne um 8,2 Prozent gefordert. Der neue Vertrag sollte zwölf Monate laufen.
Die Arbeitgeber waren mit einem anderen Vorschlag in die Gespräche gegangen. Sie boten zunächst eine Erhöhung von 5,3 Prozent in zwei Schritten an. Zusätzlich war eine einmalige Zahlung vorgesehen.
In der vergangenen Woche legten die Arbeitgeber zwei neue Modelle vor. Ein Vorschlag sah eine Erhöhung um 3,4 Prozent über zwölf Monate vor. Die Erhöhung sollte rückwirkend ab dem 1. August gelten. Dazu sollten ein Zuschlag für Containerarbeiten und mehr Urlaubsgeld kommen.
Ein zweites Modell sah eine Erhöhung von 5,1 Prozent vor. Auch hier waren zusätzliche Zahlungen vorgesehen. Die Laufzeit sollte jedoch 18 Monate betragen. Ver.di lehnte dieses Modell sofort ab. Es wurde den Mitgliedern nicht zur Abstimmung vorgelegt.
Die Arbeitgeberseite erklärte, beide Modelle seien mögliche Lösungen gewesen. Sie seien zudem am oberen Ende dessen gelegen, was in anderen Bereichen der Branche gezahlt werde. Die beiden Vorschläge sollten auch die unterschiedlichen Wünsche der Beschäftigten zur Laufzeit berücksichtigen.
Ver.di sieht die Lage anders. Die Gewerkschaft hält höhere Löhne bei einer kürzeren Laufzeit für nötig. Sie verweist dabei auch auf die Arbeitsbedingungen in den Häfen.
Nach Angaben der Gewerkschaft nehmen die Sicherheitsrisiken zu. Neben schweren Lasten und Gefahrstoffen müssten die Beschäftigten mit komplexer Technik arbeiten. Hinzu kämen inzwischen mehr Drohnenflüge über den Hafenanlagen.
Ver.di sieht darin ein zusätzliches Risiko für die Beschäftigten. Die Gewerkschaft fordert deshalb weitere Verhandlungen und ein besseres Angebot.
Die Urabstimmung läuft bis zum 1. Oktober. Dabei können alle Mitglieder über einen unbefristeten Streik entscheiden. Wenn mindestens 75 Prozent der Mitglieder das Angebot ablehnen und für einen Streik stimmen, will ver.di die Verhandlungen für gescheitert erklären. Danach könnte ein unbefristeter Streik beginnen.
Bereits in den vergangenen Wochen gab es Warnstreiks. Nach der zweiten Verhandlungsrunde legten Beschäftigte am 17. August für 24 Stunden die Arbeit nieder. Eine weitere Arbeitsniederlegung folgte am 24. und 25. August.
Die Gewerkschaft hatte damit weitere Gespräche und ein neues Angebot gefordert. Die Verhandlungen wurden später fortgesetzt. Eine Einigung konnte aber auch in der vierten Runde nicht erreicht werden.
Ein längerer Streik könnte die deutschen Seehäfen stark belasten. Hamburg, Bremerhaven und die anderen betroffenen Häfen sind wichtige Standorte für den deutschen Warenverkehr. Ein Ausstand könnte den Umschlag von Waren verlangsamen und neue Verzögerungen verursachen.
Schon vor dem aktuellen Tarifkonflikt standen viele Hafenbetriebe unter Druck. Betreiber warnten vor zunehmenden Verzögerungen und Engpässen. Auch andere europäische Häfen hatten zuletzt mit Problemen zu kämpfen.
Am 4. September streikten zudem Beschäftigte im niederländischen Hafen Rotterdam. Sie protestierten gegen geplante Änderungen bei den Sozialleistungen in den Niederlanden. Der Ausstand führte zu zusätzlichen Belastungen für den europäischen Warenverkehr.
Die deutschen Tarifparteien stehen damit weiter unter Zeitdruck. Ver.di will den Druck mit der Urabstimmung erhöhen. Die Arbeitgeber müssen nun entscheiden, ob sie ein neues Angebot vorlegen. Bis zu einer Einigung bleibt ein Streik in den großen deutschen Seehäfen möglich.
