Russische Angriffe auf Ukraine haben über das Wochenende mindestens sechs Menschen getötet. Weitere Menschen wurden verletzt. Die neuen Attacken erfolgten nur Stunden nach einem Treffen der Außenminister Deutschlands und Russlands in New York.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte sich zuvor ablehnend zu den deutschen Forderungen nach einer Deeskalation geäußert. Das Gespräch mit dem deutschen Außenminister Johann Wadephul fand am Rand der Generalversammlung der Vereinten Nationen statt. Es war nach Angaben aus dem Umfeld der Gespräche das erste direkte Treffen der beiden Minister seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Jahr 2022.
Die Kämpfe in der Ukraine gehen unterdessen weiter. Die Front hat sich seit längerer Zeit nur wenig verändert. Russland setzt dabei auf Raketen und Drohnen. Auch Gleitbomben werden eingesetzt. Die Ukraine greift mit weitreichenden Drohnen Ziele in Russland an. Dazu gehören unter anderem Raffinerien und Industrieanlagen.
In der Region Kiew wurde nach einem russischen Drohnenangriff ein Mann tot in einem beschädigten Gebäude gefunden. Später wurden bei weiteren Angriffen am Stadtrand von Kiew mindestens ein Mensch getötet und fünf weitere verletzt. In Wyschnewe beschädigte eine Drohne mehrere Fahrzeuge. Ein Feuer brach aus.
Auch nahe Fastiw wurde ein Mensch verletzt. Nach Angaben der örtlichen Behörden handelte es sich um einen Wachmann einer Fensterfabrik. Die Angriffe trafen damit erneut Gebiete außerhalb der direkten Front.
Im Süden der Ukraine wurde die Region Odessa mehrfach angegriffen. Dabei starb nach Angaben der örtlichen Behörden ein Mensch. Zwei weitere Menschen wurden verletzt. Odessa ist für die Ukraine besonders wichtig. Die Region liegt am Schwarzen Meer und umfasst den wichtigsten Seehafen des Landes.
Auch die Stadt Sumy im Norden wurde getroffen. Nach Angaben der Regionalverwaltung starben dort eine Frau und ein 16-jähriges Mädchen. Fünf weitere Menschen wurden verletzt. Russische Gleitbomben sollen die Stadt am Sonntagnachmittag getroffen haben.
Weitere Schäden wurden aus Kiew gemeldet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, ein Rechenzentrum sei am Sonntag zweimal von russischen Angriffen getroffen worden. Dabei seien zwei Kinder und ein Erwachsener verletzt worden. Das russische Verteidigungsministerium erklärte dagegen, das Zentrum habe Internetdienste für die ukrainischen Streitkräfte bereitgestellt.
Auch aus dem von Russland besetzten Teil der Ukraine wurden Tote gemeldet. In Enerhodar starb nach Angaben der von Moskau eingesetzten Stadtverwaltung eine Frau bei einem ukrainischen Drohnenangriff. Zwei weitere Menschen sollen verletzt worden sein.
Enerhodar liegt nahe dem Kernkraftwerk Saporischschja. Die Anlage steht seit Beginn des Krieges unter russischer Kontrolle. Sie produziert derzeit keinen Strom. Sie benötigt jedoch weiter Energie für wichtige Kühlsysteme und andere Sicherheitsfunktionen.
Russland und die Ukraine beschuldigen sich seit Monaten gegenseitig, Stromleitungen zur Anlage zu beschädigen. Internationale Stellen warnen deshalb vor den möglichen Folgen weiterer Angriffe in der Nähe des Kraftwerks.
Parallel zu den Kämpfen bleibt die politische Lage angespannt. Wadephul hatte bei dem Treffen mit Lawrow eine bessere Beziehung zu Russland nicht ausgeschlossen. Dafür müsse die russische Führung jedoch bereit sein, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden, sagte ein Vertreter der deutschen Delegation.
Lawrow bewertete das Gespräch dagegen deutlich zurückhaltender. Wadephul habe lediglich die bekannte deutsche Position gegen Russland wiederholt. Ob dies als echter Dialog gelten könne, müsse jeder selbst beurteilen, sagte der russische Minister.
Das Treffen fand vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Berlin und Moskau statt. Deutschland hatte zuletzt auch Vorwürfe zu einem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig erhoben. Berlin machte dafür Russland verantwortlich. Moskau weist solche Vorwürfe zurück.
Die Vereinten Nationen haben die russische Invasion der Ukraine wiederholt verurteilt. Russland bezeichnet seinen Krieg weiterhin als „militärische Spezialoperation“. Der Kreml begründet das Vorgehen unter anderem mit Sicherheitsinteressen und dem Schutz russischsprachiger Menschen.
Trotz diplomatischer Gespräche bleibt eine schnelle Deeskalation damit ungewiss. Die neuen Angriffe zeigen zugleich, dass der Luftkrieg über der Ukraine weitergeht.
