Ein alter Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg ist in Quedlinburg in Sachsen Anhalt wiederentdeckt worden. Die Anlage lag lange unter der Erde. Sie kam bei Arbeiten für ein neues Wohngebiet zum Vorschein. Der Fundort liegt oberhalb der bekannten Bodeklamm. Archäologen untersuchen nun die Reste des Bauwerks.
Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen Anhalt gab den Fund Ende Juli bekannt. Bauarbeiter hatten bei den ersten Arbeiten ein Betondach im Boden entdeckt. Das Dach ist etwa 2,5 Meter breit. Danach wurden weitere Teile der Anlage freigelegt.
Der historische Luftschutzbunker Quedlinburg war kein normaler Bunker. Es handelt sich um einen sogenannten Deckungsgraben. Solche Schutzräume wurden tief in der Erde angelegt. Eine dicke Erdschicht sollte die Menschen vor Gefahren aus der Luft schützen. Bei einem direkten Bombentreffer bot diese Bauart jedoch keinen sicheren Schutz.
Die Anlage besteht aus mehreren Teilen. Neben dem Hauptbereich fanden die Arbeiter zwei seitliche Gänge. Diese waren unterschiedlich lang und dienten als Ein- und Ausgänge. Insgesamt erstreckt sich der Schutzraum über eine Fläche von etwa 20 mal 14 Metern.
Die Bauweise gibt weitere Hinweise auf die Geschichte des Ortes. Der Schutzraum wurde in mehreren Abschnitten aus unbewehrtem Stampfbeton gebaut. Stahl zur Verstärkung wurde nicht verwendet. An den Innenwänden sind noch klare Abdrücke der Schalungsbretter zu sehen. Die Außenseite des Gewölbes wurde dagegen glatt gestrichen und mit einer Schutzschicht versehen.
Auch die Luftversorgung war Teil der Planung. Im Dach befinden sich fünf Öffnungen. Jede misst etwa 25 mal 25 Zentimeter. Sie sollten frische Luft von oben in den Schutzraum leiten. Zwei Anlagen mit doppelten Türen konnten den Innenraum abschließen.
Was nach dem Krieg geschah, lässt sich teilweise nachvollziehen. Während der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik wurde ein Teil des Schutzraums durch die Lüftungsschächte mit Erde gefüllt. Später entstand über der Anlage ein Spielplatz. Der alte Bau geriet dadurch in Vergessenheit.
Bei den neuen Untersuchungen kamen auch kleinere Gegenstände zum Vorschein. Dazu gehören Metallklammern für Stromkabel und ein Sicherungskasten. Möbelreste wurden nicht gefunden. Ein schmaler Gang im Nordosten endet ohne Ausgang. Vergleiche mit ähnlichen Anlagen legen nahe, dass sich dort möglicherweise eine Nottoilette befand. Sicher belegt ist diese Deutung jedoch nicht.
Das Landesamt sieht in dem Fund mehr als ein altes Bauwerk. Der Schutzraum erinnere daran, wie wertvoll Frieden sei und wie wichtig es sei, ihn zu bewahren. Die Anlage zeigt auch, wie sehr der Alltag der Menschen im Zweiten Weltkrieg von der Gefahr durch Luftangriffe geprägt war.
Der Fund in Quedlinburg ist Teil einer Reihe neuer Entdeckungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. In diesem Sommer kamen auch an anderen Orten in Europa alte Militärreste zum Vorschein. Lange Hitze und anhaltende Trockenheit ließen den Wasserstand der Donau stark sinken.
In der Nähe des serbischen Hafens Prahovo wurden dadurch zahlreiche deutsche Kriegsschiffe sichtbar. Mindestens 20 Wracks ragten aus dem Wasser. Sie sollen zur deutschen Schwarzmeerflotte gehört haben. Nach bisherigen Angaben wurden die Schiffe gegen Ende des Krieges beim Rückzug aus Rumänien versenkt.
Auch in Budapest gab die Donau weitere Funde frei. An ihren Ufern wurden die Überreste von zwei deutschen Soldaten entdeckt. Ihre Erkennungsmarken waren noch vorhanden. Die Toten wurden später auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Budaörs nahe Budapest beigesetzt.
In der Nähe des Batthyány-Platzes kam zudem ein Motorrad zum Vorschein. Es handelt sich vermutlich um eine DKW NZ 350-1 aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Außerdem wurden mehrere deutsche Tellerminen vom Typ 35 gefunden. Diese waren als Panzerabwehrminen gedacht.
Unter den Funden befand sich auch ein Kubanschild. Diese Auszeichnung wurde deutschen Soldaten verliehen, die 1943 am Kuban-Brückenkopf kämpften.
Die Entdeckungen zeigen, wie viele Spuren des Krieges noch immer unter der Erde oder im Wasser liegen. In Quedlinburg erinnert der wiederentdeckte Schutzraum nun an eine Zeit, die lange zurückliegt, deren Folgen aber bis heute sichtbar sind.
