Das offizielle Porträt der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am Dienstagabend im Berliner Bode-Museum erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Das Gemälde zeigt die langjährige Regierungschefin in einem blauen Blazer. Auffällig ist, dass ihre bekannte Raute auf dem Bild fehlt. Nach Angaben von Beobachtern wirkt Merkel auf dem Porträt zudem etwas nachdenklich und gezeichnet.
Gemalt wurde das Werk von dem 28-jährigen deutsch-französischen Künstler Jérémie Queyras. Der Maler stammt aus einer Musikerfamilie in Freiburg und war bisher nur einem kleineren Publikum bekannt. Mit dem Porträt erhält er nun einen bedeutenden Auftrag. Das Gemälde ist später für die Kanzlergalerie im ersten Stock des Bundeskanzleramts bestimmt. Dort hängen bereits die Porträts der früheren Bundeskanzler. Für Merkel wurde ein Platz neben dem Bild des ehemaligen Kanzlers Gerhard Schröder vorgesehen.
Bevor das Porträt dauerhaft in das Bundeskanzleramt umzieht, wird es für rund drei Monate im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel ausgestellt. Besucher können das Bild dort bis Anfang Oktober sehen. Das Museum liegt nur wenige Schritte von Merkels Wohnung entfernt.
Die frühere Bundeskanzlerin sieht ihre Aufnahme in die Galerie mit gemischten Gefühlen. In einem Gespräch sagte sie, es fühle sich ungewohnt an, langsam selbst Teil der Geschichte zu werden. Mit einem kurzen Satz kommentierte sie ihre Reaktion: „Da häng ich dann eben.“
Nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt vor fast fünf Jahren hatte Merkel das Porträt zunächst nicht als wichtige Aufgabe angesehen. Stattdessen nahm sie sich eine längere Auszeit. Anschließend schrieb sie ihre mehr als 700 Seiten umfassenden Memoiren. Das Buch entwickelte sich schnell zu einem Bestseller. Danach stellte sie ihr Werk bei zahlreichen Lesungen vor. Ein offizielles Gemälde hatte für sie zunächst keine hohe Priorität.
Schon kurz nach ihrem Amtsende meldeten sich mehrere Künstler mit Interesse an dem Auftrag. Jérémie Queyras entschied sich für einen persönlichen Weg. Er schrieb Merkel einen handschriftlichen Brief. Darin erklärte er, dass seine Arbeiten meist abstrakt seien, er aber immer wieder zur klassischen Malerei zurückkehre. Mit diesem Schreiben wollte er sie von seiner Idee überzeugen.
Auf eine Antwort musste der Künstler längere Zeit warten. Erst im April 2025 kam es zu einem persönlichen Treffen. Merkel erinnerte sich später daran, dass sie sofort einen positiven Eindruck von dem jungen Maler hatte. Sie beschrieb ihn als einen offenen und lebensfrohen Menschen.
Das Gemälde entstand in einem Atelier in der Nähe des Pergamonmuseums. Bis zur offiziellen Enthüllung blieb das Werk unter Verschluss. Erste Beschreibungen sprechen von einem hellen und lebendigen Porträt. Besonders der Blick der ehemaligen Kanzlerin soll freundlich wirken, ohne dabei zu weich oder zu gefällig zu erscheinen.
Nach dem Ende der Ausstellung im Bode-Museum wird das Bild seinen festen Platz in der Kanzlergalerie erhalten. Dort finden regelmäßig Pressekonferenzen und wichtige Termine der Bundesregierung statt. Die Porträts der ehemaligen Regierungschefs gehören seit vielen Jahren zur Ausstattung des Bundeskanzleramts.
Auch für den früheren Bundeskanzler Olaf Scholz soll später ein offizielles Porträt entstehen. Bereits während seiner Amtszeit hatte er erklärt, dass er sich Gedanken über einen geeigneten Künstler gemacht habe. Eine endgültige Entscheidung wurde bisher jedoch nicht bekannt gegeben.
Mit dem Einzug von Merkels Porträt wird der Platz in der Kanzlergalerie knapp. Nach Angaben aus dem Bundeskanzleramt wird deshalb geprüft, wie die vorhandenen Gemälde künftig neu angeordnet werden können. Ziel ist es, auch für weitere ehemalige Bundeskanzler ausreichend Platz zu schaffen.
