PreussenElektra und der US-Technologiekonzern Nvidia wollen frühere Atomkraftwerksstandorte in Deutschland prüfen. Dort könnten künftig große Rechenzentren für künstliche Intelligenz entstehen. Solche Anlagen werden auch als KI-Fabriken bezeichnet. Sie benötigen viel Strom und eine leistungsfähige technische Infrastruktur.
PreussenElektra gehört zum Energiekonzern E.ON. Das Unternehmen ist für den Rückbau von acht ehemaligen Atomkraftwerken in Deutschland verantwortlich. Alle Anlagen sind inzwischen abgeschaltet. Sie befinden sich jedoch in unterschiedlichen Phasen des Rückbaus.
Das Unternehmen will die früheren Kraftwerksflächen künftig sinnvoll nutzen. Dabei sollen neue Projekte entstehen, die wirtschaftlich tragfähig sind und langfristig Bestand haben. Die geplante Zusammenarbeit mit Nvidia ist ein erster Schritt, um mögliche Nutzungen zu untersuchen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die vorhandenen Flächen und technischen Anlagen für moderne KI-Rechenzentren geeignet sind. Die Unternehmen wollen dabei die Stromversorgung, die Netzanschlüsse und die bestehende Infrastruktur bewerten. Auch die verfügbaren Grundstücke und die technischen Anforderungen der geplanten Anlagen spielen eine Rolle.
Frühere Kraftwerksstandorte können für solche Projekte Vorteile bieten. Sie verfügen oft über große Industrieflächen und leistungsfähige Anschlüsse an das Stromnetz. Auch bestehende Gebäude und technische Einrichtungen könnten bei einer neuen Nutzung hilfreich sein. Ob diese Voraussetzungen an den einzelnen Standorten ausreichen, muss jedoch geprüft werden.
PreussenElektra bringt sein Wissen über die Flächen, die Infrastruktur und die örtlichen Bedingungen ein. Nvidia soll vor allem die technischen Anforderungen moderner KI-Fabriken untersuchen. Dazu gehören mögliche Anlagenkonzepte und die Frage, welche Standorte für den Betrieb großer Rechenzentren infrage kommen.
Auf Grundlage dieser Prüfung wollen beide Unternehmen feststellen, welche Flächen sich für eine weitere Entwicklung eignen. Außerdem soll geklärt werden, unter welchen Bedingungen ein Projekt technisch und wirtschaftlich umsetzbar wäre. Auch rechtliche Vorgaben müssen berücksichtigt werden.
PreussenElektra betont, dass die Untersuchung ergebnisoffen ist. Die Zusammenarbeit bedeutet deshalb noch nicht, dass konkrete Bauvorhaben beschlossen wurden. Auch Investitionen oder endgültige Standortentscheidungen sind bislang nicht angekündigt.
Guido Knott, Vorsitzender der Geschäftsführung von PreussenElektra, sieht in den früheren Kraftwerksflächen Chancen für neue industrielle Nutzungen. Gemeinsam mit Nvidia wolle das Unternehmen prüfen, ob sich die vorhandenen Voraussetzungen für KI-Fabriken einsetzen lassen. Zugleich könnten neue wirtschaftliche Impulse für die betroffenen Regionen entstehen.
Auch Nvidia hält frühere Industriestandorte für mögliche Standorte neuer Rechenzentren. Markus Hacker, leitender Regionaldirektor des Unternehmens, verwies auf drei zentrale Voraussetzungen: eine zuverlässige Energieversorgung, geeignete Flächen und eine leistungsfähige Infrastruktur.
Diese Faktoren sind für KI-Rechenzentren besonders wichtig. Die Anlagen benötigen große Mengen Strom, um leistungsstarke Computer und spezielle KI-Chips zu betreiben. Sie verarbeiten Daten und führen umfangreiche Berechnungen aus, die für das Training und den Einsatz künstlicher Intelligenz erforderlich sind.
Die mögliche Nutzung früherer Atomkraftwerksstandorte könnte Deutschland helfen, neue digitale Infrastruktur aufzubauen. Gleichzeitig würde sie eine neue wirtschaftliche Perspektive für Flächen schaffen, deren ursprüngliche Aufgabe beendet ist. Ob daraus tatsächlich Projekte entstehen, hängt jedoch von den Ergebnissen der Prüfung ab.
Ein weiterer früherer Atomkraftwerksstandort steht bereits für eine andere Zukunftstechnologie im Gespräch. Das ehemalige Kernkraftwerk Biblis in Hessen wurde als geplanter Standort für eine laserbasierte Kernfusionsanlage genannt. Die Anlage soll nach bisherigen Plänen bis 2035 entstehen.
Die Zusammenarbeit zwischen PreussenElektra und Nvidia konzentriert sich zunächst auf die Prüfung möglicher KI-Fabriken. Welche Standorte geeignet sind und ob konkrete Investitionen folgen, ist noch offen. Die Untersuchung soll zeigen, ob die früheren Kraftwerksflächen die technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen für den Betrieb moderner KI-Rechenzentren erfüllen.
