Ein 18-jähriger Mann ist in Hamburg festgenommen worden. Er steht im Verdacht, ein 14-jähriges Mädchen aus Fort Wayne im US-Bundesstaat Indiana zum Suizid gedrängt zu haben. Ermittler aus den USA und Deutschland arbeiteten bei der Suche nach dem Verdächtigen zusammen. Die Ermittlungen dauern an.
Das FBI teilte am Freitag mit, dass es eng mit der Polizei in Fort Wayne und den deutschen Behörden zusammengearbeitet habe. Ziel war es, den jungen Mann in Deutschland ausfindig zu machen und festzunehmen. Die Polizei in Fort Wayne erklärte, dass ihre Ermittler sich an die Bundesbehörden gewandt hätten, nachdem sie im Zuge ihrer Untersuchung einen Verdächtigen in Deutschland identifiziert hatten.
Nach Angaben deutscher Medien wurde der Mann am Donnerstag in Hamburg festgenommen. Zuvor hatten FBI-Beamte aus Indianapolis die deutschen Ermittler über den Verdacht informiert. Die Identität des Mannes wurde bislang nicht öffentlich bekannt gegeben. Er soll zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Tat 17 Jahre alt gewesen sein.
Dem Verdächtigen werden schwere Straftaten vorgeworfen. Dazu zählen laut den vorliegenden Berichten Mord und schwere Körperverletzung. Die Hamburger Polizei erklärte jedoch, dass noch keine formellen Anklagen erhoben worden seien. Der Fall wird von der Hamburger Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft untersucht.
Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann das Mädchen über das Internet beeinflusst und unter Druck gesetzt haben könnte. Die beiden sollen über Discord miteinander kommuniziert haben. Die Plattform ermöglicht Nachrichten, Sprachgespräche und Videoanrufe. Laut den Vorwürfen soll der Mann das Mädchen dazu aufgefordert haben, sich selbst zu verletzen und Videos davon zu schicken.
Besonders schwer wiegt der Verdacht, dass der Mann dem Mädchen konkrete Anweisungen gegeben haben soll. Sie soll sich selbst Verletzungen zugefügt und mit ihrem Blut den Namen „Kaz“ sowie die Buchstaben „NMK“ an eine Wand geschrieben haben. NMK steht den Berichten zufolge für „Nefarious Maniac Cult“. Anschließend nahm sich das Mädchen das Leben.
Die Ermittler vermuten, dass der Verdächtige mit einer Aufnahme des Todes des Mädchens Aufmerksamkeit gewinnen wollte. Möglicherweise wollte er damit auch Zugang zu der genannten Gruppe erhalten. Ob der Tod tatsächlich gefilmt wurde, ist bislang nicht bestätigt.
Zudem soll der Mann versucht haben, eine Aufnahme des Vorfalls zu erhalten. Nach den Vorwürfen drohte er den Angehörigen des Mädchens, Bilder oder Videos zu veröffentlichen. Die Ermittler prüfen nun, welche Rolle digitale Nachrichten und mögliche Aufnahmen in dem Fall gespielt haben.
Bei der Festnahme beschlagnahmten die Behörden das Mobiltelefon und den Laptop des Verdächtigen. Beide Geräte sollen forensisch untersucht werden. Dabei können Fachleute digitale Nachrichten, gespeicherte Dateien und andere mögliche Beweise prüfen. Die Ergebnisse könnten helfen, den Kontakt zwischen dem Mann und dem Mädchen genauer zu rekonstruieren.
Eine Auslieferung in die USA ist nach Angaben der Hamburger Polizei nicht zu erwarten. Der Verdächtige lebt in Hamburg und besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Deshalb soll er nicht an die Vereinigten Staaten überstellt werden. Wie das weitere Verfahren ablaufen wird, hängt von den Ermittlungen und den rechtlichen Schritten in Deutschland ab.
Der Fall lenkt erneut die Aufmerksamkeit auf gewalttätige Gruppen im Internet. Die Hamburger Polizei erklärte, dass sie keine genaue Zahl der Ermittlungen nennen könne, die mit solchen Gruppen in Verbindung stehen. Zwei weitere Verfahren zeigen jedoch, dass die Behörden das Thema bereits beschäftigen.
Im September verurteilte das Landgericht Hamburg einen anderen 18-Jährigen zu viereinhalb Jahren Jugendhaft. Zu den Vorwürfen gehörte der sexuelle Missbrauch von Kindern über das Internet. Das Urteil ist nach Angaben der Polizei noch nicht rechtskräftig.
Zudem steht ein 22-jähriger Mann wegen seiner mutmaßlichen Rolle in der Gruppe „764“ vor Gericht. Er soll unter dem Namen „White Tiger“ aufgetreten sein. Das Verfahren dauert bereits seit mehr als neun Monaten.
Die Ermittlungen zum Tod des Mädchens aus Fort Wayne werden unter Leitung der Hamburger Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft fortgesetzt. Die Behörden prüfen die digitalen Beweise und die Vorwürfe gegen den 18-Jährigen. Bislang gilt der Mann als Verdächtiger. Über seine strafrechtliche Verantwortung muss das zuständige Gericht entscheiden.
