Die Zahl der Beschwerden über Briefe und Pakete in Deutschland ist stark gestiegen. Verbraucher meldeten im ersten Halbjahr 35.728 Probleme bei der Bundesnetzagentur. Die Meldungen betrafen vor allem verlorene, verspätete oder beschädigte Sendungen.
Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte die Behörde 22.981 Beschwerden registriert. Die Bundesnetzagentur weist jedoch darauf hin, dass ein direkter Vergleich nicht möglich ist. Der Grund ist eine Änderung bei der Erfassung der Beschwerden.
Die Meldungen gingen über den sogenannten Mängelmelder ein. Das neue System gibt es seit Herbst 2025. Verbraucher können ihre Probleme dort über einfache Fragen mit Auswahlmöglichkeiten melden. Eine eigene ausführliche Beschreibung ist nicht mehr nötig.
Die meisten Beschwerden richten sich gegen Deutsche Post DHL. Rund 87 Prozent der Meldungen betreffen den Marktführer. Das Unternehmen ist der einzige große Anbieter in Deutschland, der sowohl Briefe als auch Pakete zustellt.
Die Deutsche Post sieht die hohe Zahl der Beschwerden jedoch kritisch. Das Unternehmen erklärt, dass das neue System die Zahlen erhöhen könne. Durch die einfache Nutzung würden auch Meldungen erfasst, die bei genauer Prüfung nicht immer ein echtes Problem darstellen würden.
Ein Sprecher der Post sagte, der neue Mängelmelder lasse die Beschwerdezahlen größer erscheinen und könne den Eindruck erzeugen, dass die Postversorgung in Deutschland nicht funktioniere. Nach Angaben des Unternehmens sei die Zustellung weiterhin zuverlässig.
Die Post verweist dabei auf die Zahl der direkten Beschwerden. Diese liege weiterhin bei etwa 0,003 Prozent aller Briefe und Pakete. Das Unternehmen betont, dass die überwiegende Mehrheit der Sendungen ohne Schwierigkeiten zugestellt werde.
Auch die Verteilung der Beschwerden spricht laut Post gegen ein großes Versorgungsproblem. In früheren Jahren gab es sogenannte Hotspots. Dabei häuften sich Beschwerden aus bestimmten Regionen. Die Bundesnetzagentur nutzte solche Fälle für genaue Prüfungen vor Ort.
Im ersten Halbjahr 2026 gab es jedoch keine solche Anlassprüfung. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte die Behörde noch acht Prüfungen durchgeführt. Das bedeutet, dass aktuell keine größeren regionalen Probleme festgestellt wurden.
Die Zahl der Beschwerden muss außerdem im Verhältnis zur gesamten Menge an Sendungen gesehen werden. Deutsche Post transportierte im vergangenen Jahr rund 13,3 Milliarden Briefe und Pakete in Deutschland. Zusätzlich kommen Sendungen anderer Anbieter hinzu.
Trotzdem zeigen die Zahlen nicht alle Probleme. Nicht jeder Kunde, der Schwierigkeiten mit einer Lieferung hat, reicht auch eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur ein. Zudem wird der Inhalt einer Meldung nicht überprüft.
Die Post weist außerdem darauf hin, dass einige Beschwerden falsch zugeordnet werden könnten. Jedes Jahr landen nach Angaben des Unternehmens rund 800.000 sogenannte Fundbriefe im Netz der Deutschen Post. Dabei handelt es sich um Sendungen anderer Anbieter, die falsch zugestellt wurden und später bei der Post abgegeben werden.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff bewertet das neue System positiv. Er erwartet, dass die Zahl der Meldungen durch die niedrigere Hürde zunächst steigt. Gleichzeitig könne die Bundesnetzagentur dadurch schneller erkennen, wenn es in bestimmten Regionen echte Probleme gibt.
Neben Deutsche Post DHL fällt auch der Paketdienst DPD in der Statistik auf. Das Unternehmen kam im ersten Halbjahr 2026 auf einen Anteil von etwa vier bis fünf Prozent aller Beschwerden pro Monat. DPD transportiert im Gegensatz zu DHL ausschließlich Pakete.
DPD erklärte, dass das Unternehmen Beschwerden ernst nehme. Gleichzeitig müsse die Statistik genau betrachtet werden. Nach Angaben des Unternehmens sank der Anteil direkter Beschwerden von 0,11 Prozent des Sendungsvolumens im Jahr 2024 auf 0,09 Prozent im Jahr 2025.
Zuletzt geriet DPD durch eine Fernsehdokumentation über Arbeitsbedingungen bei Subunternehmen unter Druck. Dabei wurden hohe Belastungen für Zusteller und Probleme beim Transport von Paketen thematisiert. DPD kündigte an, mögliche Verstöße zu prüfen und bei bestätigten Problemen Maßnahmen einzuleiten.
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Beschwerden über Postdienste weiterhin ein wichtiges Thema bleiben. Ob der Anstieg auf mehr Probleme oder vor allem auf das neue Meldesystem zurückgeht, wird die weitere Entwicklung zeigen. Die Bundesnetzagentur will die Daten nutzen, um die Qualität der Postversorgung in Deutschland weiter zu beobachten.
