Mehr als 20.000 Kinder und Jugendliche sind im Jahr 2025 in Deutschland als Opfer von sexuellem Missbrauch registriert worden. Das geht aus dem aktuellen Lagebild zu Sexualdelikten gegen Minderjährige hervor. Die neuen Zahlen zeigen einen weiteren Anstieg der bekannten Fälle. Gleichzeitig weisen die Behörden darauf hin, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegen könnte, da viele Taten nicht gemeldet werden.
Die Auswertung basiert auf den Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik. Erfasst werden dabei nur die Fälle, die den Ermittlungsbehörden bekannt geworden sind. Fachleute sprechen deshalb von einem sogenannten Hellfeld. Viele Straftaten bleiben nach Einschätzung der Behörden weiterhin unentdeckt oder werden nicht angezeigt.
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 17.126 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und 1.239 Fälle bei Jugendlichen registriert. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 4,7 Prozent bei Kindern und vier Prozent bei Jugendlichen. Die Zahl liegt außerdem über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
Auch die Zahl der betroffenen Minderjährigen stieg weiter an. Im vergangenen Jahr wurden 18.736 Kinder und 1.315 Jugendliche als Opfer gezählt. Minderjährige können in der Statistik mehrfach erscheinen, wenn sie wiederholt Opfer verschiedener Straftaten wurden. Nach den aktuellen Daten waren rund drei Viertel der Opfer weiblich. Die meisten betroffenen Kinder waren zwischen sechs und 13 Jahre alt.
Besonders deutlich nahm die Zahl der Fälle ohne direkten körperlichen Kontakt zu. Dazu gehört unter anderem das gezielte Ansprechen von Kindern über das Internet, um sexuelle Kontakte anzubahnen. Diese Form der Kriminalität stellt Ermittlungsbehörden vor besondere Herausforderungen, da Täter häufig digitale Kommunikationswege nutzen.
Regional wurden die meisten Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern je 100.000 Einwohner in Bremen, Berlin und Thüringen registriert. Bei Jugendlichen lagen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie Thüringen an der Spitze der Statistik. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf polizeilich bekannte Fälle.
Die Auswertung zeigt außerdem, dass viele Tatverdächtige ihre Opfer bereits vor der Tat kannten. Bei Kindern stammten viele Verdächtige aus dem familiären Umfeld oder gehörten zum Freundes- und Bekanntenkreis. Auch Kontakte über Einrichtungen, Vereine oder andere Gruppen spielten eine Rolle. Bei Jugendlichen bestand ebenfalls häufig bereits eine persönliche Beziehung zwischen Opfer und Tatverdächtigem.
Nach den aktuellen Daten waren die meisten Tatverdächtigen männlich. Gleichzeitig fällt auf, dass ein erheblicher Teil der Verdächtigen selbst noch nicht volljährig war. Rund ein Drittel der Tatverdächtigen in Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern war jünger als 18 Jahre. Dieses Ergebnis zeigt nach Einschätzung der Behörden, dass Prävention und Aufklärung bereits in jungen Jahren eine wichtige Rolle spielen.
Einen besonders starken Anstieg verzeichnete die Statistik bei Straftaten im Zusammenhang mit Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen. Die Zahl der registrierten Fälle stieg auf 11.515 und damit um fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen in diesem Bereich war minderjährig.
Die aktuellen Zahlen machen deutlich, dass sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen weiterhin eine große Herausforderung für Polizei, Justiz und Gesellschaft bleibt. Die Behörden setzen ihre Ermittlungen fort und betonen die Bedeutung früher Prävention, wirksamer Strafverfolgung sowie eines besseren Schutzes von Kindern und Jugendlichen – insbesondere auch im digitalen Raum.
