Die deutsche Regierung hat Berichte über einen geplanten Ausstieg aus dem gemeinsamen Panzerprojekt mit Frankreich zurückgewiesen. Der französische Generalstabschef Fabien Mandon hatte zuvor erklärt, Deutschland wolle das Vorhaben verlassen. Das Verteidigungsministerium in Berlin widersprach dieser Aussage am Freitag. Das Projekt MGCS solle weitergeführt werden.
Der Streit zeigt die Probleme in der deutsch-französischen Zusammenarbeit bei der Verteidigung. Beide Länder wollen gemeinsam neue Waffensysteme entwickeln. Doch unterschiedliche Interessen der Industrie und wiederholte Verzögerungen erschweren die Arbeit. Erst im Juni hatten Deutschland und Frankreich ein gemeinsames Projekt für einen Kampfjet der nächsten Generation aufgegeben.
Das Panzerprojekt trägt den Namen Main Ground Combat System, kurz MGCS. Es soll langfristig den deutschen Leopard 2 und den französischen Leclerc ersetzen. Deutschland und Frankreich hatten sich 2017 auf die gemeinsame Entwicklung verständigt.
An dem Vorhaben sind mehrere große Rüstungsfirmen beteiligt. Dazu gehört KNDS, eine gemeinsame Holding der französischen Firma Nexter und des deutschen Unternehmens Krauss-Maffei-Wegmann. Auch der deutsche Konzern Rheinmetall und das französische Unternehmen Thales sind beteiligt.
Ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums erklärte, beide Länder hätten bereits vor einigen Monaten vereinbart, ihre Zusammenarbeit beim MGCS anzupassen. Dabei sollten auch die Erfahrungen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine berücksichtigt werden.
Diese Anpassung bedeute nicht, dass das Projekt gescheitert sei. Deutschland halte weiterhin an einer gleichberechtigten Partnerschaft mit Frankreich fest. Der Schwerpunkt solle auf neuen Technologien für gepanzerte Kampfsysteme liegen.
Die Erklärung aus Berlin kam nach Aussagen des französischen Generalstabschefs Fabien Mandon. Er hatte sich am Donnerstag bei einer Anhörung in einem parlamentarischen Ausschuss kritisch über die Ergebnisse des gemeinsamen Programms geäußert. Dabei sagte er, Deutschland habe beschlossen, das Projekt zu verlassen.
Diese Aussage löste neue Fragen über die Zukunft der Zusammenarbeit aus. Das französische Verteidigungsministerium veröffentlichte später eine Erklärung im Namen Mandons. Darin wurde betont, dass die bisherige Arbeit am gemeinsamen Panzer nicht umsonst gewesen sei.
Zugleich stellte das Ministerium klar, dass das Programm weiterlaufe. Es habe weiterhin große Bedeutung für beide Länder. Künftig solle die Entwicklung stärker auf eine bessere Vernetzung der Systeme, den gemeinsamen Einsatz verschiedener Einheiten sowie auf Automatisierung und Robotik ausgerichtet werden.
Deutschland und Frankreich hatten das MGCS im Jahr 2017 vereinbart. Ziel war es, einen neuen Kampfpanzer zu entwickeln, der die bestehenden Modelle beider Länder langfristig ablösen kann. Das System soll den Anforderungen moderner Konflikte entsprechen und neue technische Möglichkeiten nutzen.
Die Entwicklung verlief jedoch nicht ohne Schwierigkeiten. Wiederholt gab es Verzögerungen und Streit zwischen den beteiligten Ländern. Auch die Interessen der beteiligten Unternehmen machten die Zusammenarbeit kompliziert.
Beide Staaten müssen sich darauf einigen, welche Technik der neue Panzer erhalten soll und wie die Aufgaben zwischen den Firmen verteilt werden. Dabei geht es auch um die Frage, welche Unternehmen bei wichtigen Bauteilen und Systemen eine führende Rolle übernehmen.
Der Krieg in der Ukraine hat die Anforderungen an moderne Landstreitkräfte verändert. Vernetzte Systeme, schnelle Datenübertragung und automatisierte Technik spielen bei der Entwicklung neuer militärischer Fähigkeiten eine immer größere Rolle. Deutschland und Frankreich wollen diese Erfahrungen in ihre gemeinsame Planung einbeziehen.
Gescheitertes Kampfjetprojekt belastet die Zusammenarbeit
Die jüngsten Spannungen beim Panzerprojekt kommen zu einer Zeit, in der ein anderes großes Vorhaben bereits gescheitert ist. Im Juni gaben Deutschland und Frankreich ihre Pläne für die gemeinsame Entwicklung eines neuen Kampfjets auf.
Das Projekt FCAS sollte ein Kampfflugzeug der nächsten Generation hervorbringen. Es galt als eines der wichtigsten europäischen Rüstungsvorhaben. Doch Streit zwischen den beteiligten Unternehmen verhinderte eine Einigung.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron kamen damals zu dem Schluss, dass es keine Aussicht auf eine Lösung des monatelangen Stillstands gebe. Damit endete ein zentraler Teil ihrer geplanten militärischen Zusammenarbeit.
Für das MGCS bedeutet dies zusätzlichen Druck. Beide Länder müssen zeigen, dass sie trotz unterschiedlicher Interessen gemeinsame Verteidigungsprojekte umsetzen können.
Die Bundesregierung hält nach eigener Aussage weiter am Panzerprojekt fest. Auch Frankreich betont dessen Bedeutung. Wie schnell die Entwicklung vorankommt und wie die offenen Fragen gelöst werden, bleibt jedoch unklar. Eine gemeinsame Erklärung über einen endgültigen Zeitplan lag zunächst nicht vor.
