Deutschland und die Niederlande wollen gemeinsam die Entwicklung von Chips für künstliche Intelligenz beschleunigen. Dafür stellen die beiden Länder über einen Zeitraum von 20 Monaten insgesamt 40 Millionen Euro bereit. Kleine Teams sollen mit Hilfe von KI neue Wege beim Chipdesign testen.
Das Vorhaben wurde am 23. September 2026 bekannt. Die niederländische National Agency for Disruptive Innovation, kurz NADI, arbeitet dabei mit der deutschen Bundesagentur für Sprunginnovationen, SPRIND, zusammen.
Das Projekt ist Teil der europäischen Bemühungen, die eigene Technologiebranche zu stärken. Europa ist bei wichtigen Teilen der Halbleiterindustrie auf Unternehmen und Technologien aus anderen Regionen angewiesen. Mit neuen Forschungsprojekten sollen europäische Fähigkeiten bei KI und Chips ausgebaut werden.
NADI wurde erst in diesem Monat gegründet. Die niederländische Regierung stellte dafür 500 Millionen Euro bereit. Die Agentur soll Projekte mit hohem technologischem Potenzial unterstützen. Dabei geht es um neue Ideen, die für Wirtschaft und Gesellschaft wichtig werden könnten.
Die neue Behörde wird oft mit der US-Agentur DARPA verglichen. DARPA wurde 1958 gegründet. Die US-Behörde unterstützte später Projekte, die zur Entwicklung wichtiger Technologien beitrugen. Dazu gehören unter anderem frühe Arbeiten an Technologien für das Internet, GPS und Tarnflugzeuge.
Für das neue Chipprojekt arbeiten NADI und SPRIND mit kleinen Teams. Diese sollen KI nutzen, um den Entwurf neuer Computerchips zu beschleunigen. Im Mittelpunkt stehen Chips für das Training von KI-Modellen und für deren Betrieb.
Das Training ist der Prozess, bei dem ein KI-Modell aus großen Datenmengen lernt. Die sogenannte Inferenz beschreibt dagegen die Nutzung eines bereits trainierten Modells. Beide Aufgaben stellen unterschiedliche Anforderungen an Computerchips.
NADI-Mitgründer Jelle Prins erklärte, dass Chips für diese Aufgaben ein wichtiger Schwerpunkt seien. Die Niederlande verfügen über ein großes Halbleiternetzwerk rund um den Chipausrüster ASML. Deutschland bringt zugleich starke Fähigkeiten in Forschung und industrieller Fertigung ein.
Prins verwies auch auf die Leistungsfähigkeit moderner Nvidia-Chips. Nach seiner Einschätzung sind diese Chips für bestimmte Inferenzaufgaben nicht immer besonders effizient. Er verglich ihren Einsatz bei solchen Aufgaben mit einem Lastwagen für einen kleinen Einkauf.
Das neue Projekt soll daher untersuchen, ob spezielle Chipdesigns bestimmte KI-Aufgaben effizienter erledigen können. Die Teams sollen dabei KI als Werkzeug für den Entwicklungsprozess einsetzen.
Jano Costard, Leiter des Challenge-Bereichs bei SPRIND, beschrieb ein ambitioniertes Ziel. Der Entwicklungsprozess für Chips könne derzeit Jahre dauern. Das Projekt soll prüfen, ob sich dieser Prozess deutlich beschleunigen lässt.
Dabei geht es zunächst um Forschung und Entwicklung. Ein erfolgreiches Chipdesign muss später noch getestet und hergestellt werden. Auch passende Software und industrielle Anwendungen sind notwendig. Der angekündigte Betrag von 40 Millionen Euro ist daher für das konkrete Entwicklungsprojekt vorgesehen und nicht für den Aufbau einer kompletten Chipindustrie.
Die Zusammenarbeit passt zu einem breiteren europäischen Trend. Mehrere Länder haben eigene Behörden für die Unterstützung risikoreicher Innovationen aufgebaut. Frankreich gründete seine Innovationsagentur für den Verteidigungsbereich 2018. Deutschland folgte 2019 mit SPRIND. Großbritannien gründete 2023 die Advanced Research and Invention Agency.
Die Niederlande wollen mit NADI nun einen weiteren Schritt gehen. Die Agentur soll neue Technologien unterstützen und dabei staatliche Mittel für Projekte mit langfristigem Potenzial einsetzen.
Für Deutschland und die Niederlande bietet die Zusammenarbeit zudem die Möglichkeit, vorhandene Stärken zu verbinden. Die Niederlande haben eine starke Position bei wichtigen Maschinen für die Halbleiterproduktion. Deutschland verfügt über große Forschungs- und Fertigungskapazitäten.
Der gemeinsame Ansatz soll kleine Teams in den Mittelpunkt stellen. Dadurch können verschiedene technische Ideen gleichzeitig untersucht werden. Welche Ansätze am Ende erfolgreich sind, steht noch nicht fest.
Auch die Dauer des Projekts ist klar festgelegt. Die beiden Agenturen wollen die 40 Millionen Euro innerhalb von 20 Monaten einsetzen. In dieser Zeit sollen die Teams zeigen, ob KI tatsächlich helfen kann, den Chipentwurf schneller und effizienter zu machen.
Das Projekt ist damit ein Teil der europäischen Strategie für mehr technologische Eigenständigkeit. Im Mittelpunkt steht zunächst eine konkrete Frage: Kann KI dabei helfen, neue KI-Chips schneller zu entwickeln? Die kommenden 20 Monate sollen darauf erste Antworten liefern.
