Die Deutsche Bischofskonferenz beteiligt sich an einer Initiative für eine sichere und kindgerechte Nutzung künstlicher Intelligenz (KI). Ziel ist es, Kinder besser vor Gefahren im digitalen Raum zu schützen. Dabei beruft sich die Kirche auf Papst Leo XIV. und seinen Aufruf, die Menschenwürde im Zeitalter der KI zu bewahren.
Die Initiative trägt den Namen „KI kindgerecht!“. Neben der katholischen Kirche wirken auch die größte evangelische Organisation Deutschlands und ein Verband für Kinderwebseiten mit. Gemeinsam wollen die Partner dafür sorgen, dass digitale Angebote stärker auf die Bedürfnisse und Rechte von Kindern ausgerichtet werden.
Bischof Georg Bätzing aus Limburg, Vorsitzender der Medienkommission der Bischofskonferenz, erklärte am 14. Oktober, dass KI bereits in vielen digitalen Anwendungen steckt. Deshalb müsse die Gesellschaft klare Regeln für ihren Einsatz schaffen. Kinder seien besonders schutzbedürftig, wenn sie mit neuen Technologien in Kontakt kommen.
Bätzing verwies auf die Enzyklika „Magnifica Humanitas“ von Papst Leo XIV. Sie gebe der Kirche einen klaren Auftrag, die Menschenwürde zu verteidigen. Das gelte besonders in einer Zeit, in der Kinder immer häufiger mit künstlicher Intelligenz in Berührung kommen.
Die Initiative verbinde Schutz, Beteiligung und Verantwortung. Digitale Räume müssten dem Wohl von Kindern dienen, sagte Bätzing. Die Verantwortung dürfe nicht allein bei den Eltern liegen. Auch Unternehmen, Anbieter digitaler Dienste und politische Entscheidungsträger müssten ihren Beitrag leisten.
Die Kirche betont dabei einen wichtigen Grundsatz: Technik soll dem Menschen dienen und nicht nur wirtschaftlichen Interessen. Kinder müssten vor möglichen Gefahren geschützt werden. Zugleich sollten sie lernen, digitale Angebote sinnvoll und selbstständig zu nutzen.
Die deutschen Kirchen arbeiten deshalb mit Wissenschaftlern, Pädagogen und interessierten Anbietern an einem Verhaltenskodex für interaktive KI. Er soll festlegen, welche Regeln für Angebote gelten, die sich an Kinder richten oder von ihnen genutzt werden.
Der geplante Kodex beruht auf fünf Grundsätzen. Der erste ist Sicherheit von Anfang an. Schutzmaßnahmen sollen bereits bei der Entwicklung einer Anwendung berücksichtigt werden. Der zweite Grundsatz betrifft die Rechte von Kindern. Ihre Würde und ihre Interessen müssen bei allen Entscheidungen beachtet werden.
Der dritte Punkt ist eine altersgerechte Beteiligung. Kinder sollen digitale Angebote nutzen und mitgestalten können, ohne dabei unnötigen Risiken ausgesetzt zu sein. Der vierte Grundsatz betrifft den Datenschutz. Persönliche Daten von Kindern müssen besonders geschützt werden. Der fünfte Punkt sieht eine menschliche Kontrolle vor. KI-Systeme sollen nicht allein über wichtige Fragen entscheiden, wenn Menschen eingreifen und Verantwortung übernehmen müssen.
Die Bischöfe fordern zudem verbindliche Regeln für Anbieter. Unternehmen sollen verpflichtet werden, Standards zum Schutz von Kindern einzuhalten. Freiwillige Zusagen allein reichen aus ihrer Sicht nicht aus, um einen verlässlichen Schutz sicherzustellen.
Auch die Medienbildung soll dauerhaft gestärkt werden. Kinder, Eltern und Lehrkräfte brauchen das Wissen, um Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz besser einschätzen zu können. Dazu gehören Kenntnisse über Datenschutz, mögliche Falschinformationen und den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Werkzeugen.
Die deutsche Initiative steht im Zusammenhang mit einer breiteren Debatte innerhalb der katholischen Kirche. Weltweit beschäftigt sich die Kirche mit den Folgen künstlicher Intelligenz. Besonders im Mittelpunkt stehen dabei die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche.
Bei ihrer Vollversammlung in Rom vom 28. September bis zum 2. Oktober befasste sich die Päpstliche Kommission für den Schutz von Minderjährigen mit digitalen Technologien und KI. Die Mitglieder untersuchten, wie solche Angebote in der kirchlichen Betreuung von Kindern eingesetzt werden. Zudem unterstützten sie eine engere Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und verschiedenen Stellen des Vatikans.
Dabei soll sichergestellt werden, dass die Würde, Sicherheit und das Wohlergehen von Kindern bei der Entwicklung und Regulierung neuer Technologien im Mittelpunkt stehen.
Auch Papst Leo XIV. hat vor möglichen Folgen für junge Menschen gewarnt. Im März erklärte er, Kinder dürften nicht dazu gebracht werden, KI-Chatbots als ihre besten Freunde oder als Quelle für jedes Wissen anzusehen.
Eine solche Entwicklung könne nach seinen Worten das eigenständige Denken, die Fähigkeit zu menschlichen Beziehungen und die Kreativität schwächen. Kinder müssten lernen, dass digitale Systeme zwar helfen können, menschliche Nähe und eigenes Nachdenken aber nicht ersetzen sollten.
Die Initiative „KI kindgerecht!“ will daher nicht nur technische Risiken verringern. Sie soll auch sicherstellen, dass Kinder ihre Fähigkeiten entwickeln und digitale Angebote ohne unnötige Gefahren nutzen können. Mit gemeinsamen Regeln, besserer Bildung und mehr Verantwortung der Anbieter wollen die beteiligten Organisationen den Schutz von Kindern im digitalen Zeitalter stärken.
