Bastrop im US-Bundesstaat Texas war früher vor allem für seine Baumwollfelder und den Anbau von Erdnüssen bekannt. Im Zweiten Weltkrieg änderte sich die Bedeutung der Region. Die US-Armee errichtete dort ein großes Lager für die Ausbildung von Soldaten. Zugleich wurde das Gebiet zu einem wichtigen Standort für deutsche Kriegsgefangene.
Das Camp Swift wurde 1941 nördlich der Stadt Bastrop gebaut. Das Lager lag auf einem Gelände von rund 56.000 Acres. Das entspricht etwa 227 Quadratkilometern. Bis zum Ende des Krieges trainierten dort bis zu 300.000 Soldaten der US-Armee. Die Einrichtung war damit ein wichtiger Teil der militärischen Vorbereitung der Vereinigten Staaten.
Eine weitere Aufgabe des Lagers ist heute weniger bekannt. Camp Swift diente auch zur Unterbringung deutscher Soldaten, die von US-Truppen gefangen genommen worden waren. Schätzungen zufolge kamen rund 10.000 deutsche Kriegsgefangene nach Bastrop County. Dort blieben sie bis zum Ende des Krieges.
Viele der Gefangenen wurden zur Arbeit auf örtlichen Farmen eingesetzt. Sie halfen bei Aufgaben in der Landwirtschaft und erhielten für ihre Arbeit eine Bezahlung. Die Beschäftigung der Gefangenen war Teil eines größeren Systems. Während des Zweiten Weltkriegs wurden mehr als 50.000 deutsche Kriegsgefangene in verschiedenen Lagern in Texas untergebracht.
Michael Waters, ein Historiker an der Texas A&M University, erläuterte die rechtlichen Regeln für diese Arbeit. Nach der Genfer Konvention durften Unteroffiziere und einfache Soldaten Tätigkeiten übernehmen, die nicht direkt mit dem Krieg verbunden waren.
Dazu zählten Arbeiten auf landwirtschaftlichen Feldern, in der Holzindustrie und auf Reisfarmen. Die Vorschriften bestimmten, welche Aufgaben Kriegsgefangene ausführen durften. Die Arbeit außerhalb der Lager brachte zugleich zusätzliche Arbeitskräfte in die örtlichen Betriebe.
Der Alltag der deutschen Gefangenen folgte oft einem festen Zeitplan. Heino Erichsen, ein ehemaliger deutscher Kriegsgefangener, schilderte seine Erfahrungen 2015 in einem Interview. Er war im Camp Hearne untergebracht, einem weiteren Kriegsgefangenenlager in Texas.
Erichsen erinnerte sich, dass der Tag meist gegen sieben Uhr morgens begann. Nach dem Wecken gab es Frühstück. Anschließend wurden die Männer für ihre jeweiligen Aufgaben eingeteilt. Gegen acht Uhr kamen Lastwagen, die sie zu den Farmen brachten, auf denen sie arbeiten sollten.
Neben der Arbeit boten die Lager auch Möglichkeiten zur Weiterbildung und für kulturelle Aktivitäten. Die deutschen Gefangenen konnten Englischunterricht besuchen. Einige widmeten sich der Kunst. Andere gründeten Orchester und spielten gemeinsam Musik.
Diese Angebote gaben den Männern eine Beschäftigung neben ihrer täglichen Arbeit. Der Sprachunterricht half ihnen, Englisch zu lernen. Die musikalischen und künstlerischen Aktivitäten ermöglichten es ihnen, eigene Interessen weiterzuverfolgen. So gab es in den Lagern neben den festen Arbeitsabläufen auch Raum für Bildung und Kultur.
Als der Zweite Weltkrieg endete, wurden die deutschen Kriegsgefangenen nach Deutschland zurückgebracht. Damit ging ihre Zeit in den amerikanischen Lagern zu Ende. Einige kehrten später jedoch in die Vereinigten Staaten zurück. Sie bauten dort ein neues Leben auf und erhielten schließlich die US-Staatsbürgerschaft.
Die Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen in Texas zeigt, wie weit die Folgen des Krieges reichten. Obwohl die Region weit von den europäischen Schlachtfeldern entfernt lag, wurden dort Tausende deutsche Soldaten untergebracht. Ihre Arbeit war Teil des damaligen Lebens in der Landwirtschaft und in anderen örtlichen Bereichen.
Camp Swift ist bis heute ein militärischer Standort. Das Gelände ist kleiner als während des Krieges, wird aber weiterhin als Ausbildungszentrum der texanischen Nationalgarde genutzt. Damit hat der Ort seine militärische Funktion behalten.
Die Vergangenheit des Lagers erinnert an ein weniger bekanntes Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Während die Kämpfe in Europa tobten, lebten deutsche Soldaten in Lagern auf amerikanischem Boden. Sie arbeiteten auf Farmen, lernten Englisch und nahmen an kulturellen Aktivitäten teil. Ihre Erfahrungen sind bis heute Teil der Geschichte von Bastrop County und Texas.
