Ein deutscher Bundestagsabgeordneter fordert verpflichtenden Polnischunterricht an Schulen nahe der Grenze zu Polen. Knut Abraham von der CDU sagt, eine engere Verbindung durch die Sprache könne den Menschen und der Wirtschaft in den Grenzregionen helfen.
Abraham ist auch Koordinator der Bundesregierung für die Zusammenarbeit mit Polen. Bei einem deutsch-polnischen Bürgerforum in Löcknitz sprach er sich für eine neue Regelung aus. Nach seinen Vorstellungen soll auf beiden Seiten der Grenze ein geografischer Korridor entstehen. Dort könnten Schulen verpflichtet werden, die Sprache des Nachbarlandes zu unterrichten.
Löcknitz liegt im Nordosten Deutschlands. Die Gemeinde ist etwa 25 Kilometer von der polnischen Stadt Stettin entfernt. Die Nähe zu Polen prägt den Alltag der Region. Viele Menschen arbeiten, wohnen oder kaufen auf beiden Seiten der Grenze ein.
In Löcknitz gibt es bereits eine deutsch-polnische Schule. Dort lernen Schüler aus beiden Ländern gemeinsam. Deutsche Schüler können zudem Polnisch als Wahlfach belegen. Abraham will solche Angebote nach eigenen Angaben deutlich ausweiten.
Der CDU-Politiker hält Englisch in den Grenzregionen nicht für einen Ersatz. Englisch sei zwar wichtig. Die Sprache des direkten Nachbarn habe jedoch einen besonderen Wert. Wenn Polen nur wenige Kilometer entfernt liegt, könne Polnisch im Alltag viel stärker genutzt werden.
Abraham sagte, er setze sich schon lange für mehr Polnischunterricht in deutschen Grenzgebieten ein. Dabei habe er jedoch auch Widerstand erlebt. Einige Eltern seien besorgt, dass ihre Kinder mit Polnisch schlechtere Noten bekommen könnten. Manche Eltern würden deshalb lieber Spanisch wählen.
Abraham stellte diese Entscheidung infrage. Er verwies auf die geografische Nähe zu Polen. Polnisch könne für Kinder in diesen Regionen einen direkten praktischen Nutzen haben.
Für Abraham geht es dabei nicht nur um Kultur. Er sieht auch einen wirtschaftlichen Grund für mehr Sprachunterricht. Unternehmen in den Grenzregionen arbeiten oft mit Partnern im Nachbarland zusammen. Gute Sprachkenntnisse können solche Kontakte erleichtern.
Der Abgeordnete bezeichnete Polnischunterricht deshalb als ein wirtschaftliches Interesse Deutschlands. Die Sprache könne jungen Menschen neue Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt geben. Sie könne auch die Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Firmen stärken.
An der Schule in Löcknitz gibt es bereits eine hohe Nachfrage. Die Schulleiterin sagte bei dem Bürgerforum, etwa die Hälfte der mehr als 200 Schüler habe polnische Wurzeln. Die Schule bietet deshalb verschiedene Formen des Polnischunterrichts an.
Polnische Muttersprachler können ihre Kenntnisse weiter ausbauen. Für deutsche Schüler gibt es Polnisch als Fremdsprache. Das Angebot stößt laut der Schulleitung auf Interesse.
Doch die Schule hat mit praktischen Problemen zu kämpfen. Es fehlen Lehrkräfte und Unterrichtsstunden. Dadurch kann nicht jede Nachfrage erfüllt werden. Zusätzliche Polnischkurse gehören laut der Schulleitung zudem zu den Angeboten, die bei Unterrichtsausfällen oft zuerst wegfallen.
Die Entwicklung zeigt ein Problem, das viele Grenzregionen kennen. Der politische Wunsch nach engerer Zusammenarbeit trifft auf begrenzte Ressourcen an Schulen. Mehr Unterricht braucht deshalb nicht nur politische Unterstützung. Es werden auch Lehrer und zusätzliche Stunden benötigt.
Die Debatte über Polnischunterricht kommt vor dem Hintergrund enger Beziehungen zwischen Deutschland und Polen. Beide Länder arbeiten in vielen Bereichen zusammen. Dazu gehören Wirtschaft, Bildung, Verkehr und regionale Projekte.
Gerade an der Grenze ist diese Zusammenarbeit im Alltag sichtbar. Für viele Familien sind Kontakte über die Grenze normal. Gute Sprachkenntnisse können dabei helfen, bestehende Verbindungen weiter auszubauen.
Abrahams Vorschlag würde den bisherigen freiwilligen Unterricht deutlich verändern. Statt Polnisch nur als Wahlfach anzubieten, könnten Schulen in bestimmten Grenzgebieten zu einem festen Angebot verpflichtet werden.
Wie ein solcher geografischer Korridor genau aussehen könnte, ist noch offen. Auch Fragen zu Lehrkräften, Unterrichtszeit und Finanzierung müssten geklärt werden. Die Diskussion zeigt jedoch, dass Sprache zunehmend als Teil der deutsch-polnischen Zusammenarbeit gesehen wird.
Für Regionen wie Löcknitz könnte mehr Polnischunterricht einen direkten Nutzen haben. Kinder könnten leichter mit Menschen auf der anderen Seite der Grenze kommunizieren. Zugleich könnten Schulen besser auf eine Region reagieren, in der deutsche und polnische Familien eng miteinander verbunden sind.
