In Deutschland nutzen fast alle neuen Staatsbürger die Möglichkeit, ihre alte Staatsangehörigkeit zu behalten. Das zeigt eine neue Auswertung des Mediendienst Integration.
Die Daten stammen aus mehreren Städten, die Zahlen zur Einbürgerung gesammelt haben. Demnach entscheiden sich zwischen 85 und 98 Prozent der neuen deutschen Staatsbürger für die doppelte Staatsbürgerschaft. Nur wenige geben ihren alten Pass ab.
Der Grund für den Verzicht auf den Doppelpass ist meist klar. Viele Menschen waren vor der Einbürgerung staatenlos oder kommen aus Ländern, die keine doppelte Staatsbürgerschaft erlauben. Dazu zählen unter anderem Indien, Äthiopien und Eritrea.
Die starke Nutzung hängt eng mit einer großen Reform zusammen. Seit Ende Juni 2024 gilt in Deutschland ein neues Staatsangehörigkeitsrecht. Es erlaubt grundsätzlich allen neuen Deutschen, ihre bisherige Staatsangehörigkeit zu behalten.
Zuvor war das nur in wenigen Fällen möglich. Vor allem Bürger aus EU-Staaten konnten ihren alten Pass behalten. Andere mussten ihn meist abgeben.
Die Reform hat auch die Einbürgerung erleichtert. Statt acht Jahren reichen nun in der Regel fünf Jahre Aufenthalt. Bei guter Integration ist eine schnellere Einbürgerung möglich gewesen, diese Regel wurde später wieder abgeschafft.
Experten sagen, dass der Doppelpass für viele Menschen attraktiv ist. Viele fühlen sich sowohl mit Deutschland als auch mit ihrem Herkunftsland verbunden. Der zweite Pass erleichtert außerdem Reisen und rechtliche Fragen wie Erbe oder Eigentum.
Politisch ist das Thema stark umstritten. Die AfD fordert, dass doppelte Staatsbürgerschaft nur in Ausnahmefällen erlaubt sein soll. Auch Teile der CDU zeigen sich kritisch. Sie warnen vor möglichen Loyalitätskonflikten und sogenannten Parallelgesellschaften.
Trotz der Debatte bleibt die Nachfrage nach Einbürgerung hoch. Im Jahr 2025 gingen laut Daten rund 189.000 neue Anträge ein. Das sind etwa zehn Prozent weniger als im Vorjahr.
Die meisten Anträge kamen aus Berlin, gefolgt von München. In München gibt es zudem einen großen Rückstau mit mehr als 40.000 offenen Verfahren.
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr vermutlich mehr als 300.000 Menschen eingebürgert. Die größten Gruppen kamen aus Syrien, der Türkei, Afghanistan, Iran und Russland.
Wer deutscher Staatsbürger werden will, muss mehrere Bedingungen erfüllen. Dazu gehören ausreichende Sprachkenntnisse, ein gesicherter Lebensunterhalt und ein mehrjähriger Aufenthalt ohne schwere Straftaten.
Außerdem müssen Antragsteller die demokratische Grundordnung akzeptieren und sich zu den Werten des Grundgesetzes bekennen. Dazu gehört auch die Anerkennung der deutschen historischen Verantwortung.
Vor jeder Entscheidung prüfen Behörden mögliche Sicherheitsrisiken. Der Verfassungsschutz wird eingeschaltet, wenn Hinweise auf Extremismus bestehen. In der Praxis sind solche Fälle jedoch sehr selten.
In einigen Fällen wurden Anträge abgelehnt, weil kein Bekenntnis zum Existenzrecht Israels abgegeben wurde. Solche Regeln gelten seit 2023 in einzelnen Bundesländern.
Die Daten zeigen insgesamt, dass die Reform den Doppelpass in Deutschland stark normalisiert hat. Für die meisten neuen Bürger ist die doppelte Staatsbürgerschaft heute der Standard.
