Stromkundinnen und Stromkunden in Deutschland müssen sich im Jahr 2027 voraussichtlich auf höhere Netzentgelte einstellen. Grund dafür ist ein geringerer Bundeszuschuss zu den Kosten der Übertragungsnetze. Nach dem Entwurf des Wirtschaftsplans für den Klima- und Transformationsfonds (KTF) soll der Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf rund 5,5 Milliarden Euro im Jahr 2027 sinken.
Nach Einschätzung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) dürfte die Entlastung bei den Netzentgelten dadurch geringer ausfallen als im Vorjahr. Wie sich der Strompreis für einzelne Haushalte entwickelt, hängt jedoch von den endgültigen Netzentgelten und weiteren Preisbestandteilen ab.
Netzentgelte machen rund ein Viertel des Strompreises aus. Sie finanzieren den Betrieb, die Wartung und den Ausbau der Stromnetze. In den vergangenen Jahren sind diese Kosten deutlich gestiegen, da für die Energiewende umfangreiche Investitionen in neue Stromleitungen erforderlich sind.
Das Vergleichsportal Verivox geht davon aus, dass der um eine Milliarde Euro niedrigere Zuschuss die durchschnittlichen Netzentgelte für Haushalte um etwa 0,25 Cent pro Kilowattstunde netto erhöhen könnte. Das entspräche einem Anstieg der Netzgebühren von rund drei Prozent. Insgesamt könnten die durchschnittlichen Strompreise für Haushalte dadurch um etwa ein Prozent steigen.
Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden würde dies Mehrkosten von rund 12 Euro pro Jahr bedeuten. Ein Zwei-Personen-Haushalt mit 2.800 Kilowattstunden müsste nach Berechnungen von Verivox etwa 8 Euro zusätzlich zahlen. Für einen Single-Haushalt mit einem Verbrauch von 1.500 Kilowattstunden würden sich die jährlichen Mehrkosten auf rund 5 Euro belaufen.
Wie stark die Belastung tatsächlich ausfällt, hängt vom jeweiligen Wohnort ab. Regionen mit einer hohen eigenen Stromerzeugung sind weniger von den Kosten der Übertragungsnetze abhängig. Dort könnten die Auswirkungen geringer ausfallen als in Gebieten mit niedriger Stromproduktion.
Nach Angaben des BDEW profitieren nicht nur private Haushalte von den Bundeszuschüssen. Auch Industrieunternehmen und regionale Verteilnetzbetreiber werden entlastet. Die niedrigeren Kosten werden anschließend über die Verteilnetze an die Endverbraucher weitergegeben. Die Höhe dieser Entlastung unterscheidet sich jedoch regional.
Zusätzlich beeinflussen weitere Faktoren die Entwicklung der Netzentgelte. Dazu zählen unter anderem die Finanzierungskosten für den Netzausbau sowie die Ausgaben für das Engpassmanagement im Stromnetz.
Der BDEW fordert deshalb eine weitere Entlastung der Verbraucher über die Stromsteuer. Nach Ansicht des Verbands sollte die Stromsteuer für alle Verbraucher auf das europäische Mindestmaß von 0,1 Cent pro Kilowattstunde gesenkt werden. Derzeit beträgt sie 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Dadurch könnten Haushalte und Unternehmen unmittelbar von niedrigeren Stromkosten profitieren.
Auch der Übertragungsnetzbetreiber Tennet spricht sich für langfristig verlässliche Bundeszuschüsse aus. Das Unternehmen erklärte, eine dauerhafte Finanzierung würde mehr Planungssicherheit schaffen. Eine konkrete Prognose für die Netzentgelte 2027 sei derzeit jedoch noch nicht möglich. Die vorläufigen Netzentgelte sollen am 1. Oktober veröffentlicht werden.
Kritik kommt außerdem aus der Industrie. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl warnt davor, dass geringere Zuschüsse die zuletzt erreichte Entlastung wieder zunichtemachen könnten. Nach Angaben des Verbands drohen der Stahlindustrie zusätzliche Netzkosten von rund 50 Millionen Euro pro Jahr. Daher fordert die Branche, den bisherigen Zuschuss vollständig beizubehalten und auch in den kommenden Jahren dauerhaft abzusichern.
Die endgültige Entwicklung der Netzentgelte und der Strompreise wird von mehreren wirtschaftlichen und politischen Faktoren abhängen. Klar ist jedoch bereits jetzt, dass die Höhe der staatlichen Unterstützung weiterhin eine wichtige Rolle für die Stromkosten von Haushalten und Unternehmen spielen wird.
