Ein Hamburger Flugsportverein setzt künftig auf einen Kraftstoff aus erneuerbaren Rohstoffen. Der Hanseatische Fliegerclub hat am Montag, dem 2. November, drei Kleinflugzeuge am Flughafen Hamburg auf sogenannten grünen Diesel umgestellt. Der neue Kraftstoff wird aus gebrauchtem Speiseöl und anderen pflanzlichen Materialien hergestellt. Nach technischen Prüfungen und den erforderlichen Freigaben kann er nun im regulären Flugbetrieb eingesetzt werden.
Bei dem Kraftstoff handelt es sich um Cair XTL. Das Produkt gehört zur Gruppe der hydrierten Pflanzenöle, auch HVO genannt. Für die Herstellung werden unter anderem alte Speiseöle, pflanzliche Reststoffe und Wasserstoff verwendet. Durch ein spezielles Verfahren entsteht ein Kraftstoff, der für bestimmte Dieselmotoren geeignet ist.
Die drei eingesetzten Flugzeuge sind Maschinen des Typs Cessna 172. Sie verfügen jedoch nicht über die üblichen Benzinmotoren, die in vielen Kleinflugzeugen verwendet werden. Stattdessen sind sie mit Dieselmotoren des Herstellers Continental ausgestattet. Diese technische Besonderheit ist entscheidend, denn der neue Kraftstoff kann nicht einfach in jedem Flugzeug verwendet werden.
Continental hat Cair XTL nach technischen Tests für die entsprechenden Motoren freigegeben. Zusätzlich erhielt der Fliegerclub die Zustimmung des Flugzeugherstellers. Damit waren wichtige Voraussetzungen erfüllt, um den alternativen Kraftstoff im praktischen Betrieb zu nutzen. Die Freigaben zeigen zugleich, dass neue Kraftstofflösungen nicht nur entwickelt, sondern auch für bestimmte Flugzeugtypen geprüft werden müssen.
Nach Angaben des Vereins verbrauchen die dieselbetriebenen Maschinen etwa 20 Liter Kraftstoff pro Flugstunde. Das entspricht rund 5,3 US-Gallonen. Um die Versorgung sicherzustellen, stellt der Flughafen Hamburg einen eigenen Tankwagen für das Projekt bereit. Die drei Flugzeuge können damit direkt am Flughafen mit dem neuen Kraftstoff betankt werden.
Der Verein sieht sich als Teil einer Entwicklung, die den Luftverkehr umweltfreundlicher machen soll. Enrico Hemling aus dem Vorstand erklärte, dass alternative Flugkraftstoffe auf vielen Wegen vorangebracht würden. Als ehrenamtlich organisierte Ausbildungsstätte wolle der Fliegerclub diese Entwicklung aktiv unterstützen. Gleichzeitig wolle man zeigen, dass alternative Kraftstoffe bereits heute im praktischen Flugbetrieb eingesetzt werden können.
Der Einsatz von Cair XTL ist für den Flughafen Hamburg kein völlig neues Thema. Bereits seit 2016 nutzt der Airport HVO für verschiedene Fahrzeuge am Boden. Dazu gehören unter anderem Fahrzeuge der Flughafenfeuerwehr sowie Maschinen und Transportfahrzeuge für die Bodenabfertigung. Der alternative Diesel wird somit schon seit mehreren Jahren in Bereichen eingesetzt, die für den täglichen Flughafenbetrieb wichtig sind.
Nach eigenen Angaben konnte der Flughafen durch diese Nutzung in den vergangenen zehn Jahren rund 15.000 Tonnen Kohlendioxid einsparen. Die Zahl bezieht sich auf den Einsatz des Kraftstoffs in der Bodenfahrzeugflotte. Mit der Versorgung der drei Cessna-Maschinen wird das bestehende Programm nun auf einen weiteren Bereich ausgeweitet.
Der Schritt kommt zu einer Zeit, in der alternative Kraftstoffe in der Luftfahrt weltweit stärker beachtet werden. Fluggesellschaften, Flughäfen und Hersteller suchen nach Möglichkeiten, die Emissionen des Luftverkehrs zu verringern. Neben nachhaltigen Flugkraftstoffen für Turbinenflugzeuge stehen dabei auch Lösungen für kleinere Maschinen im Fokus.
Allerdings ist eine klare Unterscheidung wichtig. HVO ist ein Dieselkraftstoff und eignet sich nur für dafür zugelassene Motoren. Er kann daher nicht direkt als Ersatz für herkömmliches Flugbenzin verwendet werden. Viele kleinere Flugzeuge nutzen weiterhin sogenannte Avgas-Kraftstoffe, darunter auch das weit verbreitete 100LL. Für diese Maschinen sind andere Lösungen erforderlich.
In den USA wird beispielsweise an der Umstellung auf bleifreies Flugbenzin gearbeitet. Diese Entwicklung betrifft jedoch eine andere Kraftstoffart als das Hamburger HVO-Projekt. Die beiden Ansätze verfolgen zwar ein ähnliches Ziel, unterscheiden sich aber bei Motorentechnik und Einsatzmöglichkeiten.
Der Versuch am Flughafen Hamburg ist deshalb vor allem ein praktischer Schritt für dieselbetriebene Kleinflugzeuge. Er zeigt, dass erneuerbare Kraftstoffe bereits in bestimmten Bereichen der allgemeinen Luftfahrt eingesetzt werden können. Ob weitere Flugvereine und Betreiber folgen, hängt unter anderem von technischen Freigaben, der Verfügbarkeit und den Kosten des Kraftstoffs ab.
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