Das Wachstum in Europa ist robuster als erwartet. Das sagt David Zahn, Leiter für europäische Anleihen bei Franklin Templeton. Er sieht derzeit Chancen vor allem bei deutschen und spanischen Staatsanleihen.
Zahn erwartet jedoch eine Abkühlung der Wirtschaft. Höhere Gaspreise und höhere Zinsen könnten das Wachstum bremsen. Dies dürfte nach seiner Einschätzung schon Anfang des kommenden Jahres stärker zu sehen sein.
Auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank spielt eine wichtige Rolle. Zahn geht davon aus, dass die Märkte zu viele weitere Zinsschritte erwarten. Die EZB könnte daher später weniger stark an den Zinsen festhalten.
„Wir denken, dass das Wachstum deutlich langsamer wird“, sagte Zahn. Die EZB könnte dann einen Teil ihrer bisherigen Zinserhöhungen zurücknehmen. Zugleich seien die zuletzt stark gestiegenen Renditen ein Belastungsfaktor für die Wirtschaft.
Zahn warnt deshalb vor schnellen Rückgängen bei den Anleiherenditen. Die höheren Renditen könnten das Wachstum weiter bremsen. Gleichzeitig könnten die Märkte ihre Erwartungen an weitere Zinserhöhungen anpassen.
Bei europäischen Staatsanleihen setzt Franklin Templeton vor allem auf Deutschland und Spanien. Auch Polen und Rumänien gehören zu den Ländern, bei denen der Fondsmanager übergewichtet ist.
Deutschland nimmt dabei eine wichtige Stellung ein. Zahn sieht deutsche Anleihen als besonders stabil an. Trotz hoher staatlicher Ausgaben verbessere sich die wirtschaftliche Lage. Er erwartet ein Wachstum von etwa drei bis 3,5 Prozent.
Auch Mauro Valle von Generali Asset Management sieht deutsche Anleihen positiv. Nach seiner Einschätzung spiegeln Renditen von mehr als 3,5 Prozent bereits viele wirtschaftliche Risiken wider. Das stützt aus seiner Sicht eine positive Haltung zu längeren Laufzeiten.
Anders ist Zahns Blick auf Frankreich und Italien. Bei beiden Ländern ist Franklin Templeton untergewichtet. In Frankreich sorgt vor allem die politische Lage für Unsicherheit. Zahn erwartet deshalb zunächst keine deutliche Verringerung des Renditeaufschlags französischer Anleihen gegenüber Deutschland.
Die politische Lage könnte sich nach seiner Einschätzung bis zum Frühjahr 2027 weiter auf die Märkte auswirken. Danach könnten sich neue Chancen ergeben. Zahn verweist dabei auch auf die Entwicklung in Italien.
Bei der französischen Präsidentschaftswahl 2027 könnte Marine Le Pen eine wichtige Rolle spielen. Zahn hält einen möglichen Wahlsieg für weniger problematisch als in früheren Jahren. Er verweist auf die Entwicklung in Italien unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Einige Parteien am rechten Rand hätten aus Italien gelernt und würden stärker auf die Reaktion der Finanzmärkte achten. Meloni habe aus seiner Sicht gezeigt, dass eine marktfreundliche Politik Einfluss auf das Vertrauen der Anleger haben kann.
Italien bleibt für Zahn dennoch weniger attraktiv. Das Land steht vor einer Wahl. Zugleich bleiben die Staatsschulden hoch. Auch das Wirtschaftswachstum ist schwach. Für langfristige Anleihen sei die hohe Schuldenlast deshalb besonders wichtig.
Neben Deutschland, Spanien, Polen und Rumänien hält Franklin Templeton auch kleinere Positionen in Belgien, Luxemburg und Island. Im Vereinigten Königreich besitzt der Fondsmanager einige zehnjährige Staatsanleihen.
Der britische Markt habe sich zuletzt besser entwickelt als Frankreich und Italien. Zahn bleibt aber vorsichtig. Großbritannien müsse politische und finanzielle Fragen klären, bevor der Anleihemarkt aus seiner Sicht attraktiver werden könne.
Besonders wichtig ist dabei der britische Herbsthaushalt am 28. Oktober. Nach Zahns Einschätzung wächst die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte rund um diesen Termin. Anleger beobachten vor allem mögliche Steuererhöhungen und Änderungen bei den finanziellen Reserven der Regierung.
Zahn sieht eine Verringerung dieser Reserven kritisch. In einer Welt mit hoher wirtschaftlicher und finanzieller Unsicherheit brauche die Regierung eher mehr Spielraum. Weniger Spielraum könnte an den Märkten negativ aufgenommen werden.
Weitere Steuererhöhungen wären für Zahn keine Überraschung. Die Regierung habe in den vergangenen zwei Jahren bereits die Steuern erhöht. Er erwartet deshalb, dass auch diesmal neue Maßnahmen möglich sind.
Trotz dieser Risiken sieht Zahn einen Vorteil bei Anleihen. Die Renditen seien inzwischen wieder attraktiv. In Großbritannien seien rund fünf Prozent möglich. In Europa könnten Anleger bei bestimmten Anleihen rund vier Prozent erhalten.
Damit gewinnen Anleihen wieder mehr Aufmerksamkeit. Anleger können bei einer Anleihe mit fester Laufzeit und ausreichender Bonität besser planen, wenn sie diese bis zur Fälligkeit halten.
Auch grüne Anleihen bleiben für Franklin Templeton interessant. Zahn sieht dort wieder bessere Preise. Sein Unternehmen hält daher in vielen Portfolios einen großen Anteil an Green Bonds.
Zu den entsprechenden Produkten gehören globale, europäische und auf Staatsanleihen ausgerichtete grüne Anleihefonds. Der Markt für nachhaltige Anleihen bleibt damit ein wichtiger Teil der Strategie von Franklin Templeton.
